1lZ8 Beytrage zur Historie und Aufnahme des Theaters.
den Gefangenen selbst. Gleichwohl sind sie viel zu geringe, alsdaß ich mein Urtheil widerrufen sollte, daß dieses Stück dasschönste sey, welches jemals aus das Theater gekommen ist. Ichwill es kurz anzeigen, worauf ich mich gründe.
Zch nenne das schönste Lustspiel nicht dasjenige, welches amwahrscheinlichsten und regelmäßigsten ist, nicht das, welches diesinnreichsten Gedanken, die artigsten Einfälle, die angenehmstenScherze, die künstlichsten Verwicklungen, und die natürlichstenAuflösungen hat: sondern das schönste Lustspiel nenne ich das-jenige, welches seiner Absicht am nächsten kömmt, zumal wenncs die angeführten Schönheiten größtcnthcils auch besitzt. Wasist aber die Absicht des Lustspiels? Die Sitten der Zuschauerzu bilden und zu bessern. Die Mittel die sie dazu anwendet,sind, daß sie das Laster verhaßt, und die Tugend liebenswür-dig vorstellt. Weil aber viele allzuvcrdcrbt sind, als daß diesesMittel bey ihnen anschlagen sollte, so hat sie noch ein kräftigcrs,wenn sie nämlich das Laster allezeit unglücklich und die Tugendam Ende glücklich seyn läßt: denn Furcht und Hoffnung thutbey den verderbten Menschen allezeit mehr als Scham und Ehr-licbc. Wahr ist cs, die meisten komischen Dichter haben gemei-niglich nur das erste Mittel angewendet; allein daher kömmtcs auch, daß ihre Stücke mehr ergötzen als fruchten. Plautus sah cs cin, cr bestrebte sich also in den Gefangnen ein Stückzu liefern, u^i Koni mvlioros u-mt, da er seine übrigen Spieleden Zuschauern nur durch ein rlclioula ros el't anpreisen konnte.Es ist ihm als einem Mcistcr geglückt, und so, daß ihn nie-mand übertreffen hat. Wenn man überzeugt seyn will, wie lie-benswürdig die Tugend geschildert sey, so darf man auch nurden dritten Auftritt des zweyten Auszuges lesen. Jeder, wereine empfindliche Seele besitzt, wird mit dem Hcgio sagen: Wasfür großmüthige Seelen! Sie pressen mir Thränen ans.Noch schöner aber ist der fünfte Auftritt des dritten Auszuges.Wer die Tugend und das göttliche Vergnügen, welches sie überdie Scclc crgicßt, kennet und empfunden hat, würde gewißniemand anders als Tyndarus seyn wollen, wenn cr bey glci-chcn Umständen die Wahl hätte cinc von den daselbst vorkom-menden Personen zu seyn, und würde das Unglück das ihm