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1 (1913) Luxus und Kapitalismus
Entstehung
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Erstes Kapitel: Die neue Gesellschaft

Heinrich IV. ) und einiger Ämter; endlich diejenigen, die sichdie Ritterwürde gekauft haben: die Käuflichkeit der Ritter-würde (sie wurde gegen Zahlung von 1095 £ erworben) hatJakob I. im Jahre 1611 eingeführt. Diese Ritter von Geld-sacksgnaden hießen Baronets: sie sollten den Vorrang vorden alten haben und gleich hinter dem Adel rangieren.Solcher Baronets sind während des 17. und 18. Jahrhundertsviele Hunderte entstanden: Mitte des 19. Jahrhunderts be-trug ihre Zahl 700. Es versteht sich, daß schon auf diesemWege ein großer Teil der reich gewordenen Roture in denAdel (was die Ritter gesellschaftlich unzweifelhaft waren)emporgestiegen ist. Das ganz besonders Seltsame an derenglischen Gentry ist nun aber dieses: daß sie überhauptnicht und jedenfalls nach unten hin nicht abgrenzbar ist:Kein Historiker und kein Jurist weiß sie zu definieren.Diese Unbestimmtheit des Begriffs ist nun aber kein zufälligerMangel, sondern ein Erzeugnis der ganzen Geschichte undGesetzgebung Englands (Gneist).

Esquire und Gentleman bezeichnete (heute ist das allesnatürlich, selbst in England, verwischt und im Begriffe zuverschwinden) im allgemeinen den selbständigen Mann, dervon seinen Renten oder einerrespektabeln Beschäftigunglebt. Dabei war früher stets anerkannt (noch in der Mittedes 19. Jahrhunderts), daß jemand über ein gewisses Ein-kommen verfügen mußte, um zur Gentry zu gehören. Deröffentlichen Meinung war es aber in jeder Zeitepoche über-lassen, zu entscheiden, was einerespektable Beschäftigungund wie hoch das Mindesteinkommen zu bemessen sei.

Mit dieser eigentümlichen Auffassung war es aber ge-geben, daß die Zugehörigkeit zum Adel in England gleichsam automatisch durch die Umbildung derwirtschaftlichen Verhältnisse bestimmt wurde,die emporstrebenden Geldmänner immer in dem Maße Zutrittzum Adel erhielten, wie ihre Bedeutung im gesellschaftlichen