Der neue Adel
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17. Jahrhundert, in Massen neu begründeten Adelsfamilien,die fast alle den Erwerbsständen entstammen und die nunnatürlich, dank der Zeit und dank ihrer großen Zahl, be-stimmend auf die ganze Struktur des Adels einwirken.
Ich meine also: wenn man die Umbildung der Gesellschaftdurch die Verschmelzung des Adels mit den Geldmächten ver-folgen will, so hat es wenig Sinn, die paar Nobilitierungenreich gewordener Bürger aus dem Mittelalter aufzuzählen undsie in einem Atem mit dem Hineinströmen der Roture in dieReihen des Adels seit Beginn der neuen Zeit zu nennen.Das Unterscheidungsvermögen, das Flair für die Besonder-heiten der verschiedenen Geschichtsepochen macht den gutenHistoriker.
Für Frankreich tritt der Wendepunkt gegen Ende des16., zu Anfang des 17. Jahrhunderts etwa ein: damals springenmit einem Male mächtige Quellen auf, aus denen neuer Adelhervorgeht:
1. beginnt seit Heinrich IV. die Erteilung des Adelsnamentlich an Industrielle als eine Form der Privilegierungfür die Errichtung neuer Industrien häufig zu werden 19 ;
2. werden durch das Edikt de la Paulette vom Jahre 1684die Kaufämter erblich gemacht, das bedeutete einen System-wechsel, da seitdem sieh die Grande rohe, mit der meistensder Adel verbunden war, recht eigentlich aus der Finanzwelt,den reichen Leuten, rekrutierte 20 ;
8. wurde 1614 der Übergang auch feudalen Grundbesitzesin die Hände der Roture, der seit jeher sich vollzogen hatte 21 ,ausdrücklich als gesetzlich erlaubt anerkannt. Diese Formdes Adelerwerbs hat für Frankreich eine ganz besondersgroße Bedeutung gehabt: im 18. Jahrhundert wimmelt es vonneugebackenen Seigneurs, die zu ihrer Würde einfach durchden Ankauf eines adligen Gutes gelangt waren. Die Reichenschmücken sich mit Seigneurien wie heute etwa mit exotischenOrden. Paris Montmatre, der Sohn eines kleinen Schankwirts
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