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1 (1913) Luxus und Kapitalismus
Entstehung
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Die Städtetheorien des 18. Jahrhunderts

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Londoner Bevölkerung selbst vermittelte. Zieht man diesenab, so verringert sieb der Anteil noch beträchtlich.

Zum Vergleich nehme man etwa die Zivillisten der damaligen eng-lischen Könige. Im Jahre 1696 bewilligte das Parlament Wilhelm III. eine Zivilliste in Höhe von 700 000 1 . Königin Anna bezog dieselbeSumme. Unter Georg I. wurde sie auf 800 000 £, unter Georg II. auf900 000 £ (100 000 £ for the Queens separate House hold) erhöht; außer-dem hatte der Prinz von Wales noch sein eigenes Einkommen in Höhevon 100000 £. König, Königin Mutter und Kronprinz hatten also an-nähernd soviel Einkommen zu verzehren und Menschen leben zu lassendie Möglichkeit wie die gesamte Kaufmannschaft zusammen. Die mit-geteilten Ziffern sind dem Werke von Miege and Bolton (S. 236) ent-nommen. Dort findet sich auch in einem Beibande (A regulär Collectionor series of lists containing all the Offices and whole establishment civil,military and ecclesiastical in Great Britain and Ireland) eine fast voll-ständige Übersicht über die Gehälter der Militär- und Zivil-beamten des Königreichs, aus der die zum Teil unglaubliche Höhenamentlich der Gehälter der obersten Beamten ersichtlich ist. Es findensich Beträge von 1000, 1500 und sogar 2000 £ gar nicht selten. Manermesse: wenn 2000 £ als Handelsprofit verdient werden sollten, selbstdie Profitrate von 20 % und nur einen zweimaligen Kapitalumschlag imJahre angenommen, so bedeutete das einen Umsatz von 200000 £, d. h.den vierzigsten Teil des gesamten Warenumsatzes Londons ! Verteilt mandie Anteile der Bevölkerung des damaligen Londons auf die einzelnenstädtehildenden Faktoren, so ergibt sich in meiner Vorstellung etwadieses Verhältnis: zwei Sechstel lebten vom König und seinem Hof, einSechstel von der Beamtenschaft, zwei Sechstel von den Grundrentnern undindirekten Staatsrentnern (Haute Finance), ein Sechstel vom Handel undvon gewerblicher Tätigkeit.

III. Die Städtetheorien des 18. Jahrhunderts

Daß nun aber wirklich die soziale Struktur der Groß-stadt in der frühkapitalistischen Epoche so war, wie ich siein den vorangehenden Blättern zu zeichnen versucht habe,das ersehen wir schließlich noch mit aller nur wünschens-werten Deutlichkeit aus den zahlreichenStädtetheoriendes 18. Jahrhunderts, aus denen wir, denke ich, ohne weiteresRückschlüsse auf die Natur der Großstädte jener Zeit machendürfen. Denn wenn die meisten Autoren auch wähnten,die