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1 (1913) Luxus und Kapitalismus
Entstehung
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Zweites Kapitel: Die Großstadt

Stadt oderdie Großstadt schlechthin in ihren Entstehungs-und Daseinsbedingungen zu schildern, so sind ihre Lehrendoch nichts anderes als Verallgemeinerungen der von ihnenbeobachteten tatsächlichen Gestaltungen in ihrer Umgehung.Darum teile ich hier zu guter Letzt noch ein paar Auszügemit aus den am meisten gelesenen und geachteten Schrift-stellern jener Tage, die sich über das Städteproblem geäußerthaben.

Soviel ich sehe, ist in der theoretischen Konstruktion der Stadtwie auf so vielen anderen Gebieten der nationalökonomischen Wissen-schaft im 18. Jahrhundert Cantillon wegweisend. Er läßt die Stadtwie folgt entstehen:Si un Prince ou Seigneur . .. fixe sa demeure dansquelque lieu agrdable et si plusieurs autres Seigneurs y viennent faireleur rösidence pour etre ä portee de se voir souvent et jouir dune sociötöagreable, ce lieu deviendra une Ville, on y bätira de grandesMaisons pour la demeure des Seigneurs en question; on y en bätira uneinfinite dautres pour les Marchands, les Artisans, et Gens de toutessortes de professions que la rösidence de ces Seigneurs attirera dans celieu. II faudra pour le Service de ces Seigneurs des Boulangers, desBouchers, des Brasseurs, des Marchands de vins, des fabriquants detoutes especes: ces Entrepreneurs hätiront des Maisons dans le lieude question ou loueront des Maisons bäties par dautres Entrepreneurs;. . . toutes les petites Maisons dans une Yille, teile quon la decrit ici ;dependent et subsistent de la döpense des grandes Maisons ... La villeen question sagrandira encore, si le Roi ou le Gouvernement y ötablitdes Cours de Justice . . . Une Capitale se forme de la meme manierequune Yille de Province . .. toutes les terres de lEtat contribuent plusou moins ä la subsistance des Habitans de la Capitale.

Cantillon, Essay sur la nature du Commerce 1755, p. 17 ff.

Dieser Gedankengang findet sich mit unwesentlichen Abweichungenin fast allen die Städtehildung behandelnden Abhandlungen der Zeitwieder; er ist allerdings von den Physiokraten besonders scharf heraus-gearbeitet, weil er ihrer Theorie als Stütze dienen soll, wird aber auchvon so vielen nicht orthodox-physiokratischen Schriftstellern übernommen.

Ein großer Teil der Erörterungen in der volkswirtschaftlichen Lite-ratur des 18. Jahrhunderts ist der Diskussion über die volkswirtschaft-lich zweckmäßigste Art, die Grundrente zu verausgaben, gewidmet. Denndas vor allem haben doch wohl die zahllosen Schriften und Kapitel überdenLuxus zum Inhalt, die, wie bekannt, die nationalökonomischeLiteratur des 18. Jahrhunderts ebenso charakterisieren wie die Traktateüber die Bevölkerung.