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1 (1913) Luxus und Kapitalismus
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Begriff und Wesen des Luxus

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Comestible gefunden, der zuerst 1778 erschien: siehe den Almanachdes Gourmands für das Jahr 1904.

Für die Geschichte des Bauluxus kommen alle Werke zur Ge-schichte der Baustile und des Möbels in Betracht; ferner Reisebeschrei-bungen, Beschreibung einzelner Paläste u. dgl. Eine Zusammenstellungsolcher Schilderungen enthalten die Dictionnaires des amateurs vonP. Bonnaffe. 1884 seg.

Für den Kleiderluxus: die Bücher zur Geschichte der Trachten,der Mode; zur Geschichte der Fabrikation und kunstgewerblichen Ge-staltung einzelner Kleidungsgegenstände: der Stoffe (Seide!), der Spitzen,des Schmuckes usw. Die wirtschaftliche Seite wird hell beleuchtet inSchriften wie der von Em. Langlade, La marchande de Modes de MarieAntoinette Kose Bertin (s. a.).

Viel interessantes Material enthalten die Bücher von Humbertde Gallier, Les moeurs et la vie privde dautrefois. 1911. Usages etmoeurs dautrefois. 1912.

I. Begriff und Wesen des Luxus

Luxus ist jeder Aufwand, der über das Notwendige hin-ausgeht. Der Begriff ist offenbar ein Relationsbegriff, dererst einen greifbaren Inhalt bekommt, wenn man weiß, wasdas Notwendige sei. Um dieses festzustellen, gibt es zweiMöglichkeiten: man kann es subjektiv in einem Werturteile(ethischer, ästhetischer oder welcher Art immer) verankern.Oder man kann einen irgendwelchen objektiven Maßstab aus-findig zu machen suchen, an dem man es ausmessen kann. Alssolcher bietet sich entweder die physiologische Notdurft desMenschen oder dessen dar, was man die Kulturnotdurft nennenkann. Jene ist nur je nach den Klinmten, diese je nach derhistorischen Epoche verschieden. Man hat es in der Hand,die Grenze der Kulturnotdurft oder des Kulturnotwendigenbeliebig zu ziehen (wird aber gebeten, diesen Willkürsaktnicht mit der oben erwähnten subjektiven Wertung zu ver-wechseln).

Luxus hat dann aber einen doppelten Sinn: er kannquantitativ oder qualitativ ausgerichtet sein.