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Viertes Kapitel: Die Entfaltung des Luxus
Luxus in quantitativem Sinne ist gleichbedeutend mit„Vergeudung“ von Gütern: wenn man hundert Dienstbotenhält, wo einer „genügt“, oder wenn man drei Schwefelhölzerauf einmal ansteckt, um sich die Zigarre anzuzünden. Luxusin qualitativem Sinne heißt Verwendung besserer Güter.Luxus in quantitativem und Luxus in qualitativem Sinnekönnen sich vereinigen (und sind in Wirklichkeit meist ver-einigt).
Von dem Begriffe des qualitativen Luxus leiten wir dendes Luxusgutes ab, das also soviel wie ein verfeinertes Gutist. Verfeinerung ist alle Zurichtung der Güter, die für dienotdürftige Zweckerfüllung überflüssig ist. Die Verfeinerungkann grundsätzlich in zwei Richtungen sich betätigen: in derRichtung des Stoffes oder der Form.
Wie wir beim Luxus oder Luxusaufwand einen absolutenund einen relativen Sinn unterscheiden konnten, so müssenwir dieselbe Unterscheidung für die Substrate des qualitativenLuxus, die Feingüter, treffen.
Faßt man die Verfeinerung in absolutem Sinne, so ge-hört die große Mehrzahl aller unserer Gebrauchsgüter zu denverfeinerten Gütern: denn fast alle befriedigen mehr als die(animalische) Notdurft. Man wird deshalb auch von einemFeinbedarf in einem relativen Sinne sprechen müssen, indemman die bei einem gegebenen Stande der Güterkultur über dasDurchschnittsmaß hinausgehende Verfeinerung erst als Ver-feinerung im engeren Verstände bezeichnet. Den solcher-maßen enger umschriebenen Feinhedarf nennen wir dann wohlLuxusbedarf; die Güter, die zu seiner Deckung dienen, Luxus-güter im engeren Sinne.
Luxus in dem nunmehr umschriebenen Sinne von Fein-bedarf und seiner Befriedigung dient sehr verschiedenenZwecken und kann deshalb auch sehr verschiedenen Beweg-gründen sein Dasein verdanken: ob ich meinem Gott einengoldgeschmückten Altar weihe oder mir ein seidenes Hemd