Druckschrift 
1 (1913) Luxus und Kapitalismus
Entstehung
Seite
76
Einzelbild herunterladen
 

76

Viertes Kapitel: Die Entfaltung des Luxus

sich wirklich gelohnt, ihm alles zu opfern: eötait bien lapeine de lui tout sacrifier! Was die Reichen in Paris quält,ist vielleicht die Verkettung ihrer tollen Ausgaben: sie gehenimmer weiter als sie wollen. Der Luxus hat so entsetzlichkostspielige Formen des formes si horriblement coüteusesangenommen, daß es schließlich überhaupt kein Vermögengibt, sozusagen, das er nicht untergräbt.Jamais siöcle naötö plus prodigue que le nötre. Man zehrt seine Einkünfteganz auf, man verschlingt sein Vermögen, on ötale une sur-abondance scandaleuse, on veut effacer son voisin: mansucht es seinem Nachbar mit skandalöser Übertreibung zuvor-zutun . . .

Und überall dasselbe Bild; fast dieselben Worte: Niewar ein Zeitalter üppiger als das unsere, meint derVoll-kommene englische Handelsmann 62 : es grenzt an das Un-glaubliche, was für einen Raum der Luxus in unserer Zeit ein-nimmt:it is next to incredible, what a share the luxury ofthe age has . . .Vainity, gaiety and luxury beherrschen uns dieexcesses, die Ausschweifungen, nehmen überhand.

Der Luxus verschlingt alles wie ein Meer, urteiltKochanowski in Warschau, wo ja der Luxus die höchsteVollendung erlebte.Wenn der allmächtige Gott solchenRegen auf uns herniederfallen ließe, daß, wie viele Tropfen,so viele Dukaten herabfielen und Polen bis an die Knöchelmit ihnen bedeckt wäre, dennoch würde all dieses Geld nichtlange bei uns Vorhalten, sondern so, wie Wasser von denHügeln und Bergen zu den Strömen und Niederungen ihrenFall haben, nach Breslau, Leipzig, Frankfurt, Berlin, Danzig, Riga und Königsberg für Silbergeschirr, Wagen, Möbel u. dgl.rasch abfließen 63 .

Aber wir werden uns mit solcherart Zeugenaussagen nichtbegnügen, sondern werden versuchen, wirkliche Tatsachen,das heißt also reale Fälle von Luxusgestaltung beizubringen.Ich könnte bei meinen Lesern dieses Wissen voraussetzen