Die Fürstenhöfe
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und setze es auch bis zu einem gewissen Grade voraus. Wasich aber nicht für überflüssig halte, ist der Versuch, nachMöglichkeit eine ziffernmäßig bestimmte Größenvorstellungvon der Luxusentfaltung zu geben, da erst die Ziffer hinterdem einzelnen Luxusphänomen und insbesondere hinter einerMasse solcher Einzelphänomene die Bedeutung erkennen läßt,die der Luxusbedarf für die Ausbildung des Marktes gehabthat (was wir doch vor allem erfahren möchten).
Und dann wäre das zweite zu leisten: Nachdem dieTatsache einer großen Luxusentfaltung außer Zweifel gestelltist, ist nachzuprüfen, in welchem Zusammenhänge diese Luxus-entfaltung mit den gesellschaftsbildenden Faktoren steht, dieich in den voraufgehenden Kapiteln geschildert habe: inwieferninsbesondere (das ist ja der Grundgedanke dieses Buches) dieFrau, zumal die von Unrechts wegen geliebte Frau, wir könnenauch sagen: das Weibchen Anteil an der Ausgestaltung desäußeren Lebens in unserer Epoche genommen hat.
II. Die Fürstenhöfe
Wie alles Leben, so ging auch alles Wohlleben in jenerZeit von den Fürstenhöfen aus: sie sind recht eigentlich dieQuelle aller Energien.
Und wiederum, wenn wir in die Vergangenheit zurück-schauen, um zu sehen, w r o zuerst ein üppig weltliches Treibenaufsprang, bleibt unser Blick auf Avignon haften.
L’avara Babilonia . . .
... di vizi empi e reiTanto che scoppia; ed ha fatti suoi deiNon Giove, e Palla, ma Venere e Bacco . . .
Gia Roma, or Babilonia falsa e riaPer cui tanto si piague e si sospira . . .
Fondata in casta ed urnil povertateContra tuoi fondatori alzi le cornaPutta sfacciata; e dov’ liai posto spene?
Negli adulteri tuoi, nelle mal nate
Ricchezze tante? . . . (Son. CVI, CVII.)