Die Fürstenhöfe
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eine Wochenausgabe für Küche, Hofbäckerei, Keller undMarstall beträgt 826 6. 8 den. tur. parv. Im Marstall stehen135 Pferde 67 .
An die hellbelichtete Avignoner Episode reiht sich inunserer Vorstellung unmittelbar an die Glanzzeit des Papst-tums in Rom unter der Herrschaft der großen Renaissance-päpste von Paul II. bis Leo X. , die, je einer den anderenüherbietend, ein Leben voller Glut und Glimmer entfalten.„Ein heidnisches Wesen überzog die Stadt mit theatralischemGlanze wie in der alten Kaiserzeit. Weltlicher Pomp wurdezum Bedürfnis der päpstlichen Regierung, der verwöhntePöbel schrie nach Festen, und man gab sie ihm reichlich.“(G r e g o r o v i u s.)
Mit Paul II. (1464—1471) beginnt das Bacchanale. „SeinHof war üppig; er seihst sinnlichen Genüssen ganz ergeben.“Gleichsam als ein Symbol seines eigenen Lehens betrachteteer den Karneval, den er im weltlichen Sinne ausgestaltete.Er führte erst diesen neuen heidnischen Charakter desKarnevals in Rom ein.
Sixtus IV. eiferte seinem Vorgänger nach. Unter ihmsind es vor allem die Nepoten, die ihr Leben hier ausleben:sein Sohn Pietro Riario , der über ein Einkommen von60000 fl. verfügt, verschwendet seinen Reichtum in zweiJahren. Als die natürliche Tochter des Königs von Neapel im Jahre 1473 nach Rom kam, überstiegen die Feste „anwahnsinniger Verschwendung alles, was bisher in dieser Weiseerlebt worden war“ 68 . Madame Leonara konnte Rom mitder Überzeugung verlassen, daß die Welt nichts besitze, wasan Schwelgerei dem Hofe eines römischen Nepoten auch nurvon fern nahe käme.
Vor allem in Festen, öifentlichen Schaustellungen, Emp-fängen, feierlichen Einzügen kommt der Luxus dieser Zeitzur Entfaltung: 100 000 Menschen versammelten sich amTage S. Marco des Jahres 1476 auf der Navona, wo Girolamo