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Viertes Kapitel: Die Entfaltung des Luxus
Riario ein Turnier gab. Im Jahre 1478 wurde die Vermählungder Prinzessin v. Urbino und Giovanni Roverez „persico ap-paratu“ gefeiert 69 . Den glanzvollen Einzug des Prinzen Fede-rigo von Neapel beschreibt uns ausführlich Burcardus 70 .Den Höhepunkt aber des weltlichen Glanzes erklomm dasPapsttum in dem ewigberühmten Lateranischen FestzugLeos X . am 11. April 1518: 100000 Dukaten hatte der eineTag gekostet, an dem Hunderte von Künstlern ihr bestesKönnen opferten 71 . Es war ja die Zeit, in der Raphael Santi wie ein gekrönter Fürst durch die Straßen Roms ritt: voneinem stattlichen Gefolge begleitet, das von nie weniger alsfünfzig seiner Verehrer, Freunde und Schüler gebildet wurde.
Die weltlichen Höfe Italiens, vor allem die von Mailand und Neapel , wetteiferten, wie man weiß, in der Entfaltungweltlichen Glanzes mit denen von Rom. Über den Luxus,der an diesen Höfen damals getrieben wurde, unterrichtetdas Tagebuch, das Andrö de la Vigne, der Sekretär Annasvon Bretagne, auf der Reise mit Karl VIII. durch Italien aufgezeichnet hat: Le Vergier d’Honneur 72 .
Aber für die Geschichte des höfischen Luxus (ebenso wiefür die Geschichte der Höfe überhaupt) wurde doch rechteigentlich die Tatsache bedeutsam, daß die französischenKönige die Erbschaft der italienischen Fürsten auch inallem antraten, was Lebensauffassung und Lebensführung be-traf : Catharine von Medici war die Mittlerin, nachdem schonvor ihr das Haus der Valois in Karl VIII. und Ludwig XII. seine starke Hinneigung zur italienischen Kultur in ihrerganzen Politik, wie man weiß, betätigt hatte.
Denn damit — das ist das Entscheidende — wuchsendie äußeren Möglichkeiten einer Luxusentfaltung in demVerhältnisse, wie Frankreich größer war als die italienischenFürstentümer. Die letzten Valois verausgabten für ihrenHaushalt doch schon erheblich mehr als selbst die reicherenStaaten Italiens an öffentlichen Gesamteinnahmen hatten. Für