Die Nachfolge der Kavaliere und der Protzen
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rocher.“ „Onnefitplusdecapitaux.“ Man trieb vielmehr „Luxus “:in Möbeln, Bauten, Kleidern. Die Magazine der Rue St. Honorö,die damals mit den schönsten Stoffen Frankreich und dasAusland versorgten, waren im Jahre 1720, als der Goldregenüber Paris niederging, in wenigen Tagen geleert. „On n’ytrouve plus de velours, d’ötoffes d’or; mais on fabrique par-tout.“ Duhautchamp, dem wir diese Schilderungen ver-danken, beschreibt uns den Anblick der Straßen, die vonToiletten in den verschiedensten Farben, mit herrlichenStickereien geschmückt, aus goldenen und silbernen Gewebenhergestellt, angefüllt waren.
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Ein Punkt, der mir für die Entwicklung der modernenGesellschaft von großer und allgemeiner Bedeutung zu seinscheint, ist nun die Tatsache, daß die reichen Emporkömmlinge,die nichts besitzen als ihren Mammon, und die keine andereEigenart haben, die sie auszeichnen könnte, als die Fähigkeit,mit ihren großen Mitteln ein üppiges Leben zu führen; daßdiese Parvenüs ihre materialistische und mammonistische Welt-auffassung auch den alten vornehmen Familien mitteilen, diesie dadurch in den Strudel des Wohllebens mit hineinreißen. Ichhabe in dem Kapitel meines „Modernen Kapitalismus“, das vonder Vermögensbildung handelt, die Verarmung des Adels alseineder Quellen der Bereicherung für die bürgerlichen Geldgeberangeführt und habe dort gezeigt, wie dieser Prozeß der Verwand-lung feudaler Vermögen in bürgerliche seit den Kreuzzügen un-ausgesetzt in allen Ländern Europas sich vollzieht. Hier mußnun ergänzend hinzugefügt werden, daß einer der häufigstenGründe, weshalb die alten Geschlechter verarmen und homines,quos fortuna e faece extulit an ihre Stelle treten, der Dranggewesen ist, jenen bürgerlichen Protzen es an Luxusaufwandgleichzutun: diese Verleugnung der alten, vornehmen Tradi-tionen führte entweder zum wirtschaftlichen Untergang der
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