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Viertes Kapitel : Die Entfaltung des Luxus
an Graf und Gräfin Duras für die Jahre 1774 — 89 7386 1 .
„ den Grafen Aug . de
Lamarck . „ „ „ 1774 — 75 1558 „
„ den Chev . de Saint Paul „ „ „ 1778 1343 „
Außerdem schuldeten ( seit langen Jahren ) : die Vikomtesse
de Polastron 19960 1 . , die Prinzessin von Kochefort 109041 . ,
die Marquise de Tonnerre 10946 1 . usw . usw .
Insgesamt betrugen die Außenstände der großen Schneide¬
rin , die ihre Kundschaft nur in den ersten Kreisen hatte ,
490000 fr .
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Aber auch die Richtung , in der sich der Luxus¬
aufwand bewegte , wurde durch den Seigneur bestimmt .
Wir lernten schon den Kleiderluxus bei Hofe kennen :
er ist aber ein echtes Kennzeichen seigneurialer Lebensführung
überhaupt . Nichts unterschied so sehr den Kavalier von dem
Rundkopf als die elegante Kleidung , die der Zeit entsprechend
aus Samt , Seide , Goldstickerei und Spitzen bestand und dem¬
entsprechend sehr kostbar war , und zwar gleichermaßen für
Mann wie Frau .
Über den Kleiderluxus im 15 . und 16 . Jahrhundert unterrichten
uns am besten die Garderobeninventare , deren uns eine ganze Reihe er¬
halten ist : so von der Valentina und Elisabetta Visconti , der Bianca
Maria Sforza , der Lucrezia Borgia u . a . Lucrezia beispielsweise hatte
in ihrer Aussteuer 50 Kleider in Brokat , Samt mit Stickerei und
Spitzen : 150 Maultiere trugen ihre Kleidung und Wäsche , als sie aus
Rom auszog 98 .
Für alle Zeit bieten uns die Kunstwerke eine gute Quelle dar , um
den Kleiderluxus zu ermessen , ebenso Schilderungen von Festen , Auf¬
zügen usw . So entwirft z . B . Burcardug in seinem Tagebuch ( worauf
ich schon hinwies ) von dem Einzug des Prinzen Federigo von Neapel
in Rom ( 1492 ) folgendes Bild : „ Die einzelnen ritten überaus prächtige
Pferde , alle in Goldbrokat gekleidet , Kleinodien von großem Wert auf
der Brust , auf den Baretten und Hüten . Der Prinz tiug ein Gewand
von violettem Samt , die Halskette aus Perlen und Edelsteinen im Wert
von 6000 Dukaten , einen Gürtel nebst Schwert im gleichen Wert , der ganze
Zügel mit Perlen und Edelsteinen besetzt im Werte von 3000 Dukaten
und das ganze Pferdegeschirr vorn und hinten vergoldet . “