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Die Nachfolge der Kavaliere und der Protzen
Die Renaissancetracht steigert sich in die Barocktracht, diese ver-feinert sich zum Rokoko. Wir wissen, wie beispielsweise in England im 17. Jahrhundert die elegante Kleidung des Kavaliers geradezu alsein Standesabzeichen angesehen wurde. Damals brachte die herrschendeMode eine besonders ausgesprochene Eleganz mit sich: die hohen Reiter-stiefeln werden mit kostbarem Stoff gefüttert und mit Spitzen besetzt.Auch die Kleider des Mannes bestehen zum großen Teil aus schwerenSeiden- und Samtstofl'en. Van Dyck!
Und welch ein Aufwand wurde getrieben! Der Herzog vonBuckingham besaß (1625) 27 kostbaie Anzüge aus Samt, Seide, Spitzen,Perlen usw., von denen jeder etwa 35000 Francs gekostet hatte. DerFestanzug, in dem er auf der Hochzeit Karls I. erschien, hatte dieSumme von 500000 Francs verschlungen (Weiß). Ein Edelmann und seineFrau gaben im 17. Jahrhundert in Frankreich ein ganzes Drittel ihresEinkommens für Kleidung aus; für Toilette und Equipage fast die Hälfte:5000 Livres von 12000".
Im 18. Jahrhundert steigerte sich der Kleiderluxus eher noch:er ging mehr ins Feine, ins Raffinierte. Der Durchschnittspreis deseleganten Herrenanzugs war 1200—1500 1. Wer auf sich hielt, hatte6 Sommer-, 6 Winteranzüge. Festkleider der Männer kosteten bis15 000 1. Feines graues Tuch: 70—80 1. die Elle (Barbier).
Auch der Luxus in feiner Wäsche — dieser spezifischerotische Luxus — entfaltete sich jetzt erst recht. Der biedereVerfasser des Complete English Tradesman entrüstet sich sehrdarüber, daß der gewöhnliche „beau“ seiner Zeit, „our nicergeutleman“, „the ordinary beau“ Hemden aus Leinen die Ellezu 10 oder 12 sh. trüge und sie zweimal am Tage wechsele!Zu Großvaters Zeiten habe man sich mit halb so teueremholländischem Leinen begnügt und habe das Hemd vielleichtzweimal in der Woche gewechselt. Der Stutzer heutzutage,setzt unser Gewährsmann boshaft hinzu, wird wohl so vielschmutziger am Körper sein als die Vorfahren, deshalb mußer die Wäsche so oft wechseln: „we may suppose their unclearerbodies require it more than those of their ancestors did 10 °.“
Das Repräsentative, das Prunkhafte ist das Seigneurialein der Luxuseutfaltung: pompöse Kleidung, vergoldete Staats-karossen, betreßte Dienerschaft, die in großen Mengen ge-halten wird: diese außerordentlich zahlreiche Bedientenschar