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Viertes Kapitel: Die Entfaltung des Luxus
ist abermals ein Zug von seigneurialem Luxus. Sie ist derRest der alten Gefolgschaft: in ihr tritt uns die personaleNatur des seigneurialen Luxus entgegen, die wir bei allemfrüheren Luxus überwiegen finden. Wir kennen die Klagen,die Adam Smith gegen diese „Unsitte“ seinerZeitgenossenerhebt, so viele „unproduktive“ „Hände“ zu beschäftigen, diedoch alle so schön Garn spinnen könnten.
Die Zustandsschilderungen, die wir aus jener Zeit be-sitzen, bestätigen die Richtigkeit der Tatsache, die Ad. Smithzu seinen Klagen Anlaß gaben. D e f o e, dem diese seigneurialeArt auch ganz und gar zuwider war, erzählt uns, daß ganzgewöhnliche Londoner Kaufleute, very ordinary tradesmen,mindestens zwei, oft mehr weibliche Dienstboten, manchesogar einen Diener, auch deren zwei halten; in einem be-sonderen Falle hat die Kaufmannsfrau fünf Dienstmädchenund einen Diener. Die blauen Livreen dieser Krämerdienst-boten seien so häufig geworden, daß man sie „tradesmenliveries“ nenne und daß „the gentlemen“ die Farbe bei ihrenDienern vermieden 101 . So allgemein war dieser seigneurialeLuxus geworden, daß er bei der Roture an der Tagesordnungwar; wie stark mußte er bei den Kavalieren entwickelt sein!Wir werden uns nicht wundern, wenn wir von einem engli-schen Lord hören, der 100 Stallknechte hatte 102 .
Manchmal allerdings setzen uns die Riesenziffern derDienstboten doch in Erstaunen: der Duc de Nevers hält 146,die Pontchartrain 113, der Duc de Choiseul 400 (davon 54in Livree) 103 , M me de Sevignö 104 30—40. Natürlich ahmtendie Protzen diesen Herrenluxus geflissentlich nach: bei einemreich gewordenen Landschaftsmaler, einem „Mississipien“,finden wir 90 Diener 106 , und Mercier berichtet uns ganzallgemein 1063 : „Dans teile maison de fermier-göndral voustrouverez 24 domestiques portant livröe, sans compter lesmarmitons, aides-cuisines et 6 femmes de chambre pourmadame ..."