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1 (1913) Luxus und Kapitalismus
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Die Nachfolge der Kavaliere und der Protzen

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Von einem Turearet erzählt er uns, den vier Dienerumgeben, wenn er seine Schokolade einnimmt.

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Endlich ist nun aber auch inhaltlich das Wesendes Luxus dieser ganzen Periode aristokratisch, und zwarnicht nur in dem negativen Sinne, daß er der großen Massenicht zugänglich, daß er beschränkt ist auf einen kleinenKreis Auserwählter. Positiv aristokratisch (wie man sprechenmöchte) ist der Luxus jener Tage durch die Vornehmheit derGestalt, die er überall annimmt, selbst bei dem letzten Knall-protzen, weil er eben unter das Joch des guten Geschmacks,der immer nur bei den wenigen ist, gezwungen wird. Er istdistinguiert, jener Luxus: immer rein ästhetisch, rein formalorientiert. Die Periode umspannt ja vier Stilarten: Gotik,Renaissance, Barock und Rokoko. Aber alle diese Stile sindvornehme Stile, sind Herrenstile, sind vor allemStile undunterscheiden sich dadurch scharf von dem Stil unserer Zeit,der die Stillosigkeit ist, und der damit das Merkmal desPlebejischen an der Stirn trägt.

In das England des 18. Jahrhunderts ragt so etwas wieeinbürgerlicher Stil hinein, hie und da klingt schon einplebejischer Ton an: Muther will in den Porträts vonReynolds und Gainsborough schon diese neue Note entdeckenund glaubt damit England von Frankreich unterscheiden zukönnen; aber mir scheint doch, daß gerade in diesen beidenPorträtisten die durchaus aristokratische Natur jener Zeitzum deutlichen Ausdruck kommt. Gewiß ist M rs Siddon aufdem Bilde von Gainsborough in Straßentoilette dargestellt:einen großen Hut auf dem Kopfe, den Muff in der Hand,keinen Perlenschmuck, sondern ein einfaches Seidenband umden Hals. Gewiß. Aber doch! Eine Welt trennt sie von jederDame unserer Zeit und trennte sie von den Frauen der City-Menihrer Tage ganz gewiß. Ist der Blue Boy nicht recht eigentlich