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1 (1913) Luxus und Kapitalismus
Entstehung
Seite
110
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HO Viertes Kapitel: Die Entfaltung des Luxus

das Sinnbild jener letzten Stunden der aristokratischen Kultur?Hogarth ja: da kommt dasunhöfliche plumpe Tier zumersten Male (seit der kurzen holländischen Plebejerepisode)zu Worte. Aber zu der Welt, die für die Entfaltung vonLuxus allein in Betracht kam, gehörte er noch nicht.

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Und das Weibchen? Wir wissen, daß die Maitressenwirt-schaft namentlich im 18. Jahrhundert durchaus allgemeininnerhalb der guten Gesellschaft war:Quel est lhomme quina pas de maitresses? ruft ein Philosoph jener Zeit ganznaiv aus: da können wir ohne weiteres, wenn wir jetztvon der Verschwendung dieser selben Kreise hören, dar-auf schließen, daß ein gut Teil davon auf das Konto derillegitimen Liebe zu setzen ist und daß der Rest von denlegitimen Gattinnen verschuldet war.

Von einigen der großen Kurtisanen haben wir ziffern-mäßige Belege für ihre Verschwendungssucht.

Von derliebenswürdigen Deschamps sagt der AdvokatCarsillier in einem Plaidoyer:Ihr Luxus setzt ganz Paris in Erstaunen. Die Bergwerke von Golconda sind für sie er-schöpft worden. Das Geld sproßt unter ihren Tritten auf.

Viele und gerade die Geliebten der großen Finanzleute(wie z. B. die M me Petitpas und M rae Dufresne, die Maitressendes steinreichen La Mosson) waren durch ihren frechen Luxus,ihrenluxe insolent in Paris bekannt. Und in der Tat:enorme Summen glitten durch ihre Händchen. Die Geliebteeines anderen Granden der Finanzwelt, Maison rouge, eineTänzerin der großen Oper, preßt aus ihrem Geliebten her-aus 106 : 210000 1. für Gebäude und Einrichtungen, 150000 1.für Schmuck, 50 000 Taler für Gemälde und Silbergeschirr.Der junge Chauvelin macht für die Tänzerin M lle MinosSchulden in Höhe von 1600140 1. 19 s. 11 d.; St. James,Schatzmeister der Marine, schenkt der Müe de Beauvoisin