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1 (1913) Luxus und Kapitalismus
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Viertes Kapitel: Die Entfaltung des Luxus

versucht hat, sind eitel; von den Tolpatschen ganz zu schweigen,die mit der schlechtverstandenenmaterialistischen Geschichts-auffassung in so delikate Zusammenhänge, wie es die Er-scheinungen des Luxus sind, hineingreifen).

Solcher Entwicklungstendenzen unterscheide ich folgende:

a) Tendenz zur Verhäuslichung. Der meistemittelalterliche Luxus war öffentlicher, nun wird er privater;er wurde aber auch als privater weit mehr außerhalb desHauses entfaltet wie in dem Hause: jetzt wird er immermehr in das Haus, in die Häuslichkeit verlegt: die Frau holtihn zu sich herein.

Ehedem (noch zur Zeit der Renaissance) Turniere, Schau-gepränge, Aufzüge, öffentliche Gastereien: nun Luxus im Hause.Damit verliert der Luxus seinen periodischen Charakter, den erfrüher hatte, und wird ständig. Unnütz zu sagen, wie sehr mitdieser Wandlung eine Steigerung des Luxusbedarfs verbunden ist.

b) Tendenz zur Versachlichung. Wir sahen, daßder Luxus unserer Periode noch immer einen stark personalenund damit quantitativ gerichteten Charakter trägt, und stelltenfest, daß hierin sich sein seigneurialer Ursprung zu erkennengäbe, da diese starke Bewertung zahlreicher Dienerschaft einÜberbleibsel der alten Gefolgschaft sei. Zweifellos wird nunaber seit dem Mittelalter der personale Zug in der Luxus-entfaltung unausgesetzt schwächer. Ehedem erschöpfte sichder Luxus vielfach im Aufgebot zahlreicher Trabanten, inderen Beköstigung und Belustigung bei Festen usw. Jetzt istdie zahlreiche Dienerschaft nur noch eine Begleiterscheinungder immer mehr wachsenden Verwendung von Sachgütern zuLuxuszwecken. An dieser Versachlichung, wie ich den Prozeßnenne, hatte nun das Weibchen abermals ein Interesse. Denndie Aufbietung zahlreicher Gefolgsmannen kommt ihr wenigzugute, wie es die prächtigere Kleidung, die behaglichereWohnung, der kostbarere Schmuck tun. Ökonomisch ist dieseWandlung wieder äußerst relevant: Adam Smith würde