Der Sieg des Weibchens
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sagen: man geht von „unproduktivem“ zu „produktivem“Luxus über, weil jener personale Luxus „unproduktive“,der versachlichte Luxus dagegen „produktive“ Hände (imkapitalistischen Sinne: das heißt Lohnarbeiter in einerkapitalistischen Unternehmung) beschäftigt. In der Tat istdie Versachlichung des Luxusbedarfs für die Entwicklung desKapitalismus von grundlegender Bedeutung.
Hand in Hand mit dieser Versachlichung des Luxus gehtaber die vom Weibchen mit besonderer Euergie geförderte
c) Tendenz zur Versinnliehung und Verfeinerung.
Als Tendenz zur Versinnliehung sehe ich jene Entwicklungan, die dahin führt, daß der Luxus immer weniger irgend-welchen idealen Lebenswerten (wie namentlich der Kunst)und immer mehr den niedrigen Instinkten der Aniinalitätdient. Wenn jener Prozeß sich vollzieht, den die Goncourtseinmal so bezeichnen: „la protection de l’art tombe auxciseleurs de bronzes, aux sculpteurs ou bois, aux brodeurs,aux couturiöres“ usw. Sie wollen damit den Unterschiedder Du-Barry-Epoche gegenüber der Tompadour-Zeit kenn-zeichnen. Mir scheint diese — unnütz zu sagen: ökonomischwiederum ganz hervorragend wichtige — Wandlung charakteri-siert mehr den Übergang vom 17. ins 18. Jahrhundert, alsoden Sieg des Rokoko über das Barock. Dieser Sieg aberbedeutet nichts anderes als den endgültigen und vollständigenTriumph des Weibchens. Die Durchsetzung dieses eminentweiblichen Stiles auf allen Gebieten der Kultur ist alleingenügender Beweis für die Richtigkeit der hier verfochtenenThese. Das siegreiche Weibchen strahlt uns in der Tat ausallen Schöpfungen der Kunst und des Kunstgewerbes dieserZeit entgegen: aus Pfeilerspiegeln und Lyoner Kissen, himmel-blauseidenen Betten mit weißen Tüllgardinen, aus zartblauenJupons, grauseidenen Strümpfen und rosigen Seidenkleidern,aus koketten mit Schwanendaunen besetzten Peignoirs, ausStraußenfedern und Brabanter Spitzen, was dann alles ein Pater,