Der Sieg des Weibchens
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aber, wenn ich mich so ausdrücken darf, zu einer Intensivierungdes Luxus, der. wie wir sahen, einerseits versachlicht, ander-seits verfeinert wurde. Was der Eßluxus erlebte: die Empor-hebung durch Vervollkommnung der Kochtechnik, das erfuhrder Wohnluxus in der Großstadt ebenfalls: an Stelle riesiger,leerer Burgen traten kleinere, aber mit einer wachsendenMenge von Kostbarkeiten ausgefüllte Stadtwohnungen: derPalast wurde vom Palais abgelöst.
Diese, sagen wir, städtische Wohnweise wird dann nunaber auf das Land übertragen: die mit städtischer Eleganzausgestatteten Landhäuser entstehen: die „Villen“, die also(just wie im Altertum) die unmittelbare Folge des Stadt-lebens sind. Damit dringt der Luxus bis in die entferntestenTeile des Landes, das auch in diesem Punkte der Großstadtund ihren Lebensbedingungen unterworfen wird.
Wenn wir die Schilderungen von den Stadt- und Land-häusern der reichen Leute etwa Frankreichs und Englands lesen, die uns die Zeitgenossen beim Ausgang des 17. und im18. Jahrhundert entwerfen, so denken wir zunächst, daß essich um Übertreibungen handelt. Bis wir gewahr werden,durch die Häufung von zahlreichen, immer gleichen Urteilen,daß der Wohnluxus in jener Zeit tatsächlich eine Höheerreicht haben muß, die, selbst von dem Standpunkt unsererprotzigen Zeit aus gesehen, ganz ungeheuer gewesen ist. Wirerinnern uns dann der Reste des herrlichen Barock- undRokokomobiliars, die wir heute bei den Altwarenhändlernzum Verkaufe stehen sehen, erinnern uns der Abbildungenvon Einrichtungsgegenständen aus jener Zeit in den Kunst-geschichten und bedenken, daß all das, was wir jetzt nur alsEinzelstücke vor Augen haben: abgebildet oder in Wirklich-keit, daß das alles einst zusammenstand und die Räume derMarquis und der Finanzbarone des Ancien rögime erfüllt hat.Aber wir erinnern uns auch der Riesensummen, die wir die
Turcarets für Wohnzwecke verausgaben sahen.
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