Der Sieg des Weibchens
121
Kurtisane noch gegen den Palast Pauls II. , mit dem die neueArchitektur in Rom begonnen hatte: „dem neuen Geschlechtewaren Grazie und heitere Sinnlichkeit Bedürfnis geworden“(Gregorovius), weil es in den Banden der Frauen lag.Dort, im Rom des 16. Jahrhunderts, wird die moderne Wohn-einrichtung geboren. Von dem Palais einer anderen Kurtisane,der uns schou bekannten Imperia, erfahren wir: „Teppiche,Gemälde, Vasen und Nippsachen, auserlesene Bücher, schöneRenaissancemöhel verbreiteten in ihrem Zimmer solchen Glanz,daß der edle spanische Botschafter eines Tages dort einemBedienten ins Gesicht spie, weil er keine andere Stelle fürdies Bedürfnis entdecken konnte“ no .
Die Einrichtungen der großen Kurtisanen wurden injener Zeit vorbildlich für die Wohnungseinrichtungen über-haupt und blieben es dann, wie wir sehen werden, alle diefolgenden Jahrhunderte hindurch. So galt in Venedig dieWohnung der Angela Zaffetta als Sehenswürdigkeit: „Angelawohnte in dem wahrhaft königlich eingerichteten PalazzoLoredan. Flandrische Teppiche, Brokat, vergoldetes Lederdeckten die Wände, in einigen Sälen hatten sogar die be-rühmtesten Maler al fresco gemalt. Auf den Fußböden lagentürkische Teppiche, auf den Tischen goldgestickte Samtdecken.Geschnitzte und mit Intarsien versehene Möbel füllten diezahlreichen Salons, auf den Kredenztischen standen silberneGefäße, Majoliken aus Faenza, Cafaggiolo, Urbino und diekostbarsten, venetianischen Gläser. Die Besitzerin, die fürihren guten Geschmack bekannt war, hatte im ganzenHaus Bilder, kostbare Waffen, schön gebundene Bücher,Mandolinen und kostbare Werke der Kleinkunst ver-streut“ 110a .
Im Barock sucht sich der Stil von dem allbeherrschendenEinfluß der Frau vielleicht zu befreien, möchte man sagen.Aber sie zwingt selbst jenen herrischen Stil unter ihr Joch:sie verleibt ihm den Spiegel ein, von dem bei seiner