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Viertes Kapitel: Die Entfaltung des Luxus
ersten Verwendung als Zimmerschmuck ein begeisterter Bardedie folgende richtige Beobachtung in Verse brachte 111 :
„Dans leurs cabinets enchantesL’etoffe ne trouve plus place;
Tous les murs des quatre cötesEn sont de glaces incrust^s;
Chaque cötd n’est qu’une glace.
Pour voir partout leur bonne gräcePartout eiles veulent avoirLa perspective d’un miroir.“
„Um überall ihre Reize zu sehen, wollen sie überall dieweite Perspektive eines Spiegels haben.“
Oder sie ersinnen andere Reizmittel, um die Wohnräumebehaglich zu machen und die Männer darin zu fesseln: sieparfümieren die Zimmer und schmücken sie mit Blumen. Manstellt sich das Palais der M me de Rambouillet sehr mit Un-recht frostig und steif vor. Eine Besucherin, das freundlicheFräulein von Scudery, entwirft uns folgende Schilderungdavon:
„Tout est magnifique chez eile et möme particulier; leslampes y sont differentes des autres lieux. Les cabinets sontpleins de mille raretös . . . l’air est toujours parfumö dansson palais; diverses corbeilles magnifiques, pleines de fleurs,font un printems continuel dans sa chambre.“
Und immer ist das Bett der kostbarste Gegenstand derEinrichtung: M me de Montespan schenkt M. de Maine ein Bettfür 40000 livres „et trois autres encore trbs magnifiques“ 112 .
Zu welchem Grade der Vollendung eine Zeit den Wohn-luxus entwickelt hat, zeigt uns immer die Ausstattung desHeims der jeweils herrschenden Königsmaitresse: als Höhe-punkt dieser Entwicklung während des Barock steht ja Ver-sailles vor aller Augen, obwohl hier natürlich viel andereBeweggründe neben der Frauenliebe am Werke gewesensind, um das Schönste zu schaffen, was aus Menschenhändenje hervorgegangen ist. Aber völlig der Ausfluß verliebter