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1 (1913) Luxus und Kapitalismus
Entstehung
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Der Sieg des Weibchens

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Launen sind die Privatpalais der Königsliebchen, in denenauch während des Barock die wundervollsten Blüten desWohnluxus aufgesprungen sind. Ich denke etwa an das Palaisder Herzogin von Portsmouth (einer der letzten MaitressenKarls II .), von dem ein Augenzeuge berichtet:Was meineVerwunderung erregte, war die Schönheit und der Reichtumdieser Wohnung, die mehrmals eingerissen und zerstört war,um den Launen und der Verschwendungssucht dieser Frauzu genügen, während Ihre Majestät die Königin für ihren

Haushalt nicht mehr ausgibt als manche Damen von Adel-

Da sah ich die neuesten Erzeugnisse der französischenTeppichweberei, deren Dessins, Feinheit der Arbeit, unvergleich-liche Reproduktionskraft alles übertrifft, was ich gesehenhabe. . . . Dann folgte ein Kabinett mit japanischen Lack-sachen, Schirmen, Uhren, silbernen Vasen, Tischchen, Etageren,Kamingarnituren, braseros, alles in massivem Silber in un-gezählten Mengen und endlich einige vorzügliche BildnisseSr. Majestät 113 .

Daß dann das Rokoko, dieser schlechthin erotische Stil,sich ganz besonders in der Ausgestaltung des Wohnluxuserschöpft, ist bekannt. Das letzte Wort, das uns jene Zeitzu sagen hatte, heißt Luciennes: das Nest, das Ludwig XV. der Dubarry bereitete, und angesichts dessen die Goncourtsausrufen:Luciennes! ne dirait on pas le palais dune deces souverainetös falotes, comme nous en montrent les livresdu dix huitiöme siöcle en ces turqueries rögne soumisaux caprices dune odalisque favorite le bon plaisir baroquedun sultan fantoche 114 ?

Jeder Mann von Stande aber, dessen Mittel es erlaubten,schuf seiner Geliebten ein solches Luciennes im kleinen:Ein typisches Schlößchen dieser Art istBagatelle im Boisde Boulogne , das die Marschallin von Eströes Anfang des18. Jahrhunders von ihrem Marschall und spanischen Grandenzum Geschenk erhielt, und das dann in die Hände der M me de