Aus dcr Berlinischen Zeitung vom I. 1751. 159
zur Aufhaltung des guten EcschmakS untcrnomincn haben, wird indiesem Werke auf die vortrcflichstc Art geleistet. Dcr Hr. Vcrfaßerhat sich das Recht längst erworben, daß die Welt auf alles, was ausseiner Feder fließt, aufmerksam seyn muß; und wer ist geschickter als er,die Natur überall in ihre alte Vorrechte unter uns wieder einzusetzen?Den beste» Briefsteller zu machen wird nichts erfordert als zu bewei-sen, daß man keinen Briefsteller braucht, und die ganze Kunst schöneBriefe zu schreiben ist die, daß man sie ohne Kunst schreiben lernt.Allein wie viel seltne Eigenschaften setzt diese Vermeidung der Kunstvoraus? Gesunde Ordnung im Denken, lebhafter Wiz, Kenntniß dcrWelt, ein empfindliches Herze, Leichtigkeit des Ausdrucks sind Dingedie den Deutschen weniger fehlen würden, wenn man sie in Schulenlernen könnte. Die meisten Lehrer haben sie selbst nicht; was Wun-der also, daß ste ihre Schüler anführen, sich mit methodischen Leitfä-den, topischcn Einfällen, studirten Empfindungen, stanbigten Realienund künstlichen Perioden zn behelfen? Wie unbeschreiblich würde dcrNutzen seyn, wenn die praktische Abhandlung des Hrn. Eellcrts allewohl informirte Briefsteller uud alle die gelehrten Männer auf us cleemckoi-idenüis vjMolls aus den Claßcn vertreiben könnte? Manwürde die Briefe des Cicero und Plinius besser nutzen lernen, und ei-nige lateinische Brocken würden das wenigste seyn, was mau ihnen zudanken hätte. Ist es zu hoffen? - - - Die Briefe des Hrn. GcllcrtSselbst sind durchgängig Meisterstücke, die man eben so wenig als seineFabeln zu lesen aufhören wird. Die schöne Natur herrscht überall, alleFeilen sind mit dem süsscstcn Gefühle, mit den rühmlichsten Gesinnun-gen belebt; und die Ueberzeugung, daß sie dcr Vcrfaßcr an würcklichcPersonen geschrieben hat, macht das Antheil, welches die Leser darannehmen, ungleich grösser. Bon was vor einem Herze sind sie die Be-weise! Wie licbenswcrth hat sich dcr Nerfaßer selbst, ihm unbewußt,darinne geschildert! Welche Freundschaft, welche Aufrichtigkeit, welcheLiebe! Mit was für einer philosophischen Gleichgültigkeit sind zweyBriefe abgefaßt, wobey wenigstens seine Leser nicht gleichgültig bleibenwerden. Verdienet ein Mann, welcher das Vergnügen Deutschlands ist, kein Amt zur Belohnung, wenn anders ein Amt eine Belohnungseyn kan? - - - Herr Ecllcrt scheint den vornehmsten Jnnhalt seinerAbhandlung in eine Erzählung, die er auf dcr 83ten Seite einschaltet,