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1 (1913) Luxus und Kapitalismus
Entstehung
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Fünftes Kapitel: Die Geburt des Kapitalismus

Stoffe waren, bestätigt uns die Richtigkeit unserer Annahme,daß die reichen Klassen als Käufer auftreten. Dasselbe lehrenuns die Kämpfe, die der Staat (z. B. in Frankreich ) gegendie indischen Kattune (die von M me Pompadour sanktioniertwaren, aber ja erst in Trianon ihre rechte Modeblüte erlebten!)führte: seit 1700 verbot er ihren Gebrauch. Aber natürlichblieben die Verbote erfolglos: wir sehen sich die elegantenDamen mit den Cotons kleiden, wenn sie von Paris auf ihremLandgut waren. Wir erfahren von folgenden hübschen Epi-soden :

Die Frau Marschallin de Villars schmuggelte indischeStoffe ein. Am 17. Juli 1715 erscheint die Frau Marquisede Nesle ganz öffentlich im Tuilerien-Garten mit einerrobede chambre brodöe de fleurs de soie et fagon des Indes surune toile du meme pays. Allgemeine Verwunderung undEntrüstung bei der Kleiderpolizei: der Polizeipräsident eiltzum Herrn Marquis und macht ihm Vorstellungen. Dieserverspricht, seine Frau veranlassen zu wollen, daß sie in Zu-kunft usw. 188 (Über den Ausgang der häuslichen Szene, diedaraus entstand, berichtet uns das amtliche Schriftstückleider nichts.)

Dies vorausgeschickt, werden wir imstande sein, uns einrichtiges Bild von der überseeischen Einfuhr nachEuropa im 17. und 18. Jahrhundert zu machen, wenn wirdie Einfuhrstatistiken jener Zeit überblicken; immer dasselbeBild: in England, Holland, Frankreich . Die indischen Kom-pagnien bringen 1. Gewürze, 2. Arzneimittel, 3. Farbstoffe,4. Seide und seidene Stoffe, 5. Baumwolle und baumwolleneStoffe, 6. Edelsteine, Porzellane usw. und dann je nachdem7. Kaffee, Tabak, Zucker, Tee, Kakao. Es genügt, wenn ichEin solches Einfuhrschema mitteile.

Die Einfuhr nach Frankreich aus Ostindien betrug imJahre 177 6 189 :