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1 (1913) Luxus und Kapitalismus
Entstehung
Seite
148
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148 Fünftes Kapitel: Die Geburt des Kapitalismus

Eines sehr wichtigen Zweiges des internationalen Über-seehandels, von dem wir wissen, daß er fast nur in kapita-listischen Formen betrieben wurde, müssen wir nun aber nochbesonders gedenken: des Sklavenhandels. Zwar warenseine Gegenstände nicht selbst Luxusgüter (oder doch ?), abersie dienten doch unmittelbar dazu, Luxusgüter zu erzeugen,wie wir das noch genauer sehen werden.

Über den Umfang des Sklavenhandels besitzen wir eineMenge, zum Teil recht sehr voneinander abweichender An-gaben. Die bekannteste und vielleicht glaubhafteste Rech-nung, die, die Buxton anstellt, ist die folgende 141 :

Jährlich wurden aus Afrika weggeholt

durch den christlichen Sklavenhandel rund 400 000 Negerdurch den mohammedanischen Sklaven-handel rund. 100000 Neger

500000 Neger

Von den 400000 Objekten des christlichen Sklavenhandelsgehen 280000 beim Fang, auf dem Transport und im erstenJahre zugrunde, so daß nur 120000 Sklaven schließlich zurVerfügung bleiben. Diese Ziffer erscheint angesichts des Ge-samtbedarfs an Sklaven zu Beginn des 19. Jahrhunderts kaumzu hoch und wird durch die in neuerer Zeit bekannt ge-wordenen amtlichen Ziffern in ihrer Richtigkeit bestätigt.So erfahren wir z. B., daß in die französischen Antillenwährend der Jahre 17801789 durchschnittlich im Jahre3035000 Neger eingeführt worden sind. Setzen wir dieGesamtzahl der Sklaven, die damals in den französischenAntillen gehalten wurden, auf 240260000 an, so würde dieJahreszufuhr l hVs betragen haben. Wenn aber schließlich67 Millionen Sklaven im ganzen da waren, so erscheinenals jährlicher Gesamtersatz 120150000 Sklaven eher zuniedrig als zu hoch.

Aber es kommt auf eine genaue ziffernmäßige Erfassung