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1 (1913) Luxus und Kapitalismus
Entstehung
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Der Luxus und der Handel

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der gehandelten Sklavenware gar nicht so sehr an. Es genügtfür unseren Zweck vollständig die Feststellung, daß es sichdabei schließlich um viele Zehntausende im Jahre und wäh-rend der ganzen Periode, während welcher der Sklavenhandelbetrieben worden ist, um Millionen Menschen gehandelt hat,die (das ist das einzige, was uns hier interessiert) Anlaß zuguten Geschäften boten.

Über die Ausdehnung des Sklavenhandels während desMittelalters fehlen uns zuverlässige Angaben durchaus. Daß essich aber auch damals schon um beträchtliche Menschenmassenhandelte, können wir aus den Schilderungen des arabischenSklavenhandels sowie aus gelegentlichen Mitteilungen ent-nehmen, deren Ziffernangaben freilich einen abenteuerlichenAnstrich tragen. So hören wir, daß 1310 die sizilische Flotteim tiefsten Frieden die Insel Gerba an der tunesischen Küsteüberfiel, und daß bei dieser Gelegenheit 12000 Weiber undKinder zu Sklaven gemacht wurden; daß 1355 ein genuesischerAdmiral ohne jede Veranlassung Tripolis überrumpelte undplünderte und dabei 7000 Männer, Frauen und Kinder in dieKnechtschaft schleppte 142 .

Die Nationen, die nacheinander die führende Rolle imSklavenhandel gespielt haben, ohne daß darum die anderenNationen ausgeschlossen gewesen wären, sind die Juden 14S ,die Venetianer 144 , die Genuesen, die Portugiesen, die Fran-zosen und die Engländer. Diese letzten vier Nationen sindes, die nacheinander das Monopol des Negerhandels in ihrenHänden haben. Der Anteil der verschiedenen Händlerschaftenam Sklavenhandel in seiner Blütezeit ist aus folgenden Ziffernzu ersehen.

Im Jahre 1769 wurden von der Küste Afrikas (vomKap Blanco bis zum Kongo-Flusse) Neger fortgeholt von 145

Großbritannien.53100

Frankreich . 23 520

Holland.11300