Druckschrift 
1 (1913) Luxus und Kapitalismus
Entstehung
Seite
151
Einzelbild herunterladen
 

Der Luxus und der Handel

151

kapitalistische Formen sich hier und da ausgebildet haben,und da ist es wichtig zu wissen, daß auch dieser Handelinnerhalb Europas im wesentlichen ein Handel mitLuxuswaren war. Ein großer internationaler und doch kapi-talistisch betriebener Handel, der nicht ein Handel mit Luxus-gütern war, bestand, soviel ich sehe, nur für zwei Artikel:Getreide und Kupfer, ein Handel, der in beiden Fällen durchden Bedarf der modernen Heere erzeugt worden war, wie indem zweiten Bande dieser Studien nachgewiesen werden wird.

Was für Waren im 17. und 18. Jahrhundert von einemeuropäischen Lande in das andere gingen, lehrt uns (alsBeispiel unter vielen) eine Aufstellung der von Frankreich nach Holland ausgeführten Waren, die im Jahre 1658 diePariser Handelskammer machte, und die der kundige Ver-fasser der Batavia illustrata für seine Zeit (Anfang des18. Jahrhunderts) in vielen Punkten noch für gültig erklärt,obwohl in der Zwischenzeit sich, wie wir noch sehen werden,in Holland eine nationale Luxusindustrie entwickelt hatte.Dieser Verlauf ist typisch in jenen Jahrhunderten des er-starkenden Kapitalismus: daß ein Land nach dem anderendie Güter selbst herstellt, die es vordem von dem kapitalistischfortgeschrittenen Lande auf dem Wege des Handels eingeführthatte: erst ist Italien, dann ist Frankreich das führendeIndustrieland, bis ihm England, Holland, Deutschland usw.folgen.

Die Aufstellung aber, von der ich eben sprach, ist diese 148 :

Frankreich führt nach Holland ein (nicht nur zum Konsum inHolland selbst, sondern auch zur Wiederausfuhr):

1. an Samten, Plüschen, Satins, Gold- und Silberstoffen,

Taflet und anderen Silberstoffen aus Tours und Lion

für mehr als. 6 000 000 Fr.

2. an Bändern, seidenen und gedrehten Borten, Knöpfen,

Knöpfen und Schnüren (taggs), die in Paris, Rouen und in den benachbarten Städten gemacht werden,

für. . . . 2 000 000

8 000 000 Fr.