Der Luxus und der Handel
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immerhin einige wichtige Großhandelszweige, die kapitalistischwaren und doch sich nicht mit Luxuswaren befaßten (derKupferhandel im 16., der Getreidehandel im 17. Jahrhundert),so wird sich, glaube ich, kein einziges auch nur kapitalistischgefärbtes Detailhandelsgesehäft vor dem 19. Jahrhundert nach-weisen lassen, in dem nicht Luxusgüter feilgeboten wären.Ganz deutlich können wir dagegen wahrnehmen, wie derLuxusbedarf und die Notwendigkeit oder die Gier des Händ-lers, ihn zu befriedigen, gerade in jenen Jahrzehnten, indenen wir die Neigung zur verschwenderischen Lebensführungunter den wohlhabenden Leuten plötzlich sich zu ganz großemAufschwünge erheben sahen: in den Jahrzehnten um dasJahr 1700, als das brasilianische Gold die Taschen der Pariserund Amsterdamer und Londoner Spekulanten zu füllen be-gann, wie damals, sage ich, die Fürsorge für den Luxusbedarf'des reichen Mannes den Händler aus seinem handwerkerlichenSchlendrian aufrüttelt und die Bahn der kapitalistischen Ent-wicklung hinauftreibt.
Vielleicht würden wir den innigen kausalen Zusammen-hang zwischen Luxusentfaltung und kapitalistischem Detail-handel nicht so mit Händen greifen können, wenn uns nichtein glücklicher Zufall eine Quelle erhalten hätte, wie sie ingleicher Zuverlässigkeit und Ausgiebigkeit uns leider nur inden seltensten Fällen geboten wird, eine Quelle, aus der wirdie Wandlungen bis ins einzelnste genau verfolgen können,die der englische Seidenwarenhandel in der Zeit seitder Restauration bis in die 1730 er Jahre hinein durchgemachthat. Die Quelle ist die Erzählung, die der kundige Verfasserdes „English Tradesman“ aus seiner eigenen Erfahrung vonden Vorgängen macht 150 ; ein Mann also, der mit berechtigtemSelbstgefühl von sich sagen konnte, daß keiner zu seiner Zeiteher dazu befähigt gewesen sei — by years and experience —,über diese Episode zu berichten:
Der Seidenwarenhändler, der Mercer, der Mercier, ist