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3 (1838)
Entstehung
Seite
161
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Aus der Berlinischen Zeitung vom I. 1761.

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bewarben sich anfs eifrigste ihren Söhnen, die ans den Schauplatz derWelt getreten waren, den Vortheil zu verschaffen, daß ihnen zu dieserliebenswürdigen Gesellschaft der Zutritt verstattet würde, die man für denMittelpunkt eines guten Umgangs ansähe. Samt Evrcmont sagt von ihr:

Die weis und fröhliche Natur

Verband in Ninons edlem Herzen

Die Tugend mit der Wollust Scherzen,

Den Cato mit dem Epikur.So ein Frauenzimmer mußte nothwendig in ihren Briefen unübcrtrcf-lich seyn. Chatcauneuf, ein Zcitvcrwandter von ihr, bekräftigt es inseinem Gespräche von der Mnsick der Alten; ob aber einige würklichbis auf unsre Zeit gekommen sind, daran ist zu zweifeln. Dicfe we-nigstens, wovon wir dem Leser die Uebcrsctznng ankündigen, sind nichtsals eine glückliche Erdichtung. Sie enthalten eine getreue Schilderet)des menschlichen Herzens, ein moralisches System der Liebe, das woes nicht allezeit genau, doch allezeit sinnreich ist. Der Plan des Ver-fassers nöthigte ihn vcrschicdne Wahrheiten zu sagen, die in dem Muudceiner Mannsperson Beleidigungen gegen das schöne Geschlecht gewor-den wären. Er mußte sie also einem Frauenzimmer sagen lassen.Weil er aber auch zugleich vcrschiedne Sätze vorzubringen hatte, welchein dem Munde eines Frauenzimmers anstößig klingen konnten, somußte er ein solches Frauenzimmer wählen, deren mehr männliche alsweibliche Dcnknngsart durchgängig bekannt sey. Und diese konnte keineandere als Rinon seyn, welche mit Wahrheit von sich sagen konnte,daß sie sich durch Ucbcrlegnng zu einer Mannsperson gemacht habe.Diese nun läßt der Verfasser dem jungen Marquis von Scvigne Lehrengeben, welche gleich geschickt sind die bloß platonische Liebe lächerlich, unddie bloß sinnliche Liebe verächtlich zu machen. Der Uebcrsetzcr wagt eineMuthmaßung in Ansehung des Verfassers; er glaubt daß cS der jüngrcHr. v. Crcbillon sey. Ist er es nicht, so hat er doch durch seine Briefegezeigt, daß er es seyn tonnte. Wir wollen eine Mnthmaßnng inAnsehung des Ucbcrsctzcrs wagen. Die Vcrglcichnng der Vorrede mitvcrschicdncn Stellen der jüngst angezeigten praktischen Abhandlungvon dem guten Geschmacke in Briefen lehrt uns, fast überzeugend, daßes Hr. Geliert sey. Ist er es nicht, so kan ihm wenigstens unserVerdacht keine Schande machen; und der wahre Verfasser wird leichtsehen, daß er der Jnnbegrif alles dcficn ist, was wir gutes davonLchmgs Werke m. 11