162 Fünftes Kapitel: Die Geburt des Kapitalismus
■wurde, um dem wachsenden Bedarf an Wolle Genüge zutun. Das war der Fall während des Mittelalters und späternamentlich in Stiditalien, Spanien und England, ln England soll die Ausdehnung der herrschaftlichen Schafwirtschaft aufKosten der alten Bauernwirtschaft, wie bekannt, unter denTudors so weit und so rasch erfolgt sein, daß sie Thomas Morus zu dem Ausspruch hinriß, das Schaf fresse den Menschen auf.Ich glaube nun zwar, daß man den Umfang der damals schon„eingehegten“, das heißt wesentlich in Sehafweide verwandeltenFlächen überschätzt; immerhin ist die Bewegung in der Rich-tung eines kapitalistischen Großbetriebes in der Landwirt-schaft vorhanden gewesen und bis ins 18. Jahrhundert hineinnicht zur Ruhe gekommen. Und diese Bewegung ist für dieEntstehung des modernen Kapitalismus zwiefach von Be-deutung: sofern sie Formen der kapitalistischen Organisationselbst schafft und sofern sie die Ausbildung der kapitalisti-schen Industrie beförderte durch Verminderung des Nahrungs-spielraums für selbständige kleine Landwirte auf dem Lande.
Und wiederum ist diese ganze Bewegung ein Werk desLuxus, denn die Wollen, die man in den neueröffneten Schaf-wirtschaften erzeugte, lieferten das Material für die aller-feinsten Gewebe, die die hochentwickelte Luxusweberei inFlandern, Brabant und Florenz für den Konsum der Reichstenherstellte, wie im weiteren Verlauf dieser Darstellung nochgezeigt werden wird.
Sonst ist die Einwirkung des Luxus auf die Landwirt-schaft derart, daß durch ihn die Produktion verbessert undverfeinert wird; und das wiederum steigert die Erträge unddamit die Bodenwerte und drängt die Eigentümer, wenn auchnicht zur Anlage kapitalistischer Gutswirtschaften, so dochzu einer Durchdringung der Landwirtschaft mit kapitalisti-schem Geiste, der dann die alten Formen der feudalen Land-wirtschaft sprengt und indirekt wieder der allgemeinen kapi-talistischen Entwicklung die Bahn frei macht (wie ich das