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Der Luxus und die Landwirtschaft lß3
in meinem „Modernen Kapitalismus“ darzustellen versuchthabe).
Die meisten technischen und ökonomischen Umwälzungen,die wir in der europäischen Landwirtschaft wahrnehmen, sindbis ins 19. Jahrhundert hinein in diesem Sinne durch denzunehmenden Luxusbedarf der reichen Bevölkerung hervor-gerufen worden. Neben diesem Einfluß des Luxusbedarfs aufdie Landwirtschaft tritt der Einfluß des Massenbedarfs (alsoder Nachfrage nach Getreide) zweifellos zurück. Dieser Massen-bedarf äußert sich nur an einer Stelle revolutionär, wie indem 2. Band dieser Studien nachgewiesen wird, wo dieArmeen seit dem 16. Jahrhundert plötzlich mit ihren großenAnforderungen auftreten. Sonst wird die Getreideproduktionfür die allmählich anwachsende städtische Bevölkerung sichim Rahmen der mittelalterlich-feudalen Landwirtschaft ab-gespielt haben. Wollte man mir das aber bestreiten, undwollte man die Behauptung aufstellen: der große Getreide-konsum der Weltstädte wie London, Paris, Amsterdam, Mai-land , Venedig sei es gewesen, der die Landwirtschaft stärkerangeregt habe, so würde ich mich mit dem Hinweis revan-chieren, daß ja diese Städte in ihrer Totalität eine Ausgeburtdes Luxus seien. Aber ich glaube, daß wir solcher Konstruk-tionen nicht bedürfen, um die Veränderungen, die die Land-wirtschaft bis ins 18. Jahrhundert durchmacht, dem Luxusim wesentlichen zugute zu halten.
Der rasche Aufschwung der italienischen Kommunenwährend der letzten Zeiten des Mittelalters hatte es bewirkt,daß fast überall in Italien die Landwirtschaft modernes Ge-präge angenommen hatte: „L’abbondanza dei capitali avevaposto il paese in grado di dare ampio svolgimento alle opered’irrigazione, di prosciugamento, di dissodamento ed ad altremigliorfe. La ricchezza diflfusasi in tutti i ceti della popo-lazione aveva . . . promosso l’aumento e il raffinamentodella produzione agraria. La prosperitä delle industrie
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