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den Begriff des Kapitalismus weiter fassen: man muß kapi-talistisch auch diejenige Organisation nennen, die auf unfreierArbeit beruht, wenigstens wenn diese Arbeit von gekauftenSklaven verrichtet wird. Denn daß der Sklavenbetrieb in deneuropäischen Kolonien auf der Sklavenarbeit aufgebaut war,ist bekannt. Alle Requisite, die sonst zu einer kapitalistischen Unternehmung gehören, waren aber gewiß vorhanden: dieHerrschaft des Erwerbsprinzips, die Herrschaft des ökono-mischen Rationalismus, die Größe, die soziale Trennungzwischen Produktionsleiter und Arbeiterschaft: „die Er-
scheinung eines Standes von Handarbeitern, die gar nichtsweiter als dies sind, tritt hier in der Form der Negersklaven-schaft in völliger Nacktheit und Schwärze auf.“ (Knapp.)
Einen großkapitalistischen Charakter trägt die Plantagen-wirtsehaft schon in den Kolonien der italienischen Städteim Ägäischen Meer während des Mittelalters. Hier wurdenauf den fruchtbaren Inseln (Kreta, Chios , Cypern) Wein, Baum-wolle, Indigo, Mastix, Oliven, Maulbeerbäume, Feigen, Lau-danumharz, Koloquinten, Karuben, vor allem aber Zuckergewonnen. Im Gebiet von Limisso zum Beispiel besaßen dieCornaro eine ausgedehnte Zuckerplantage, welche Ghisteleden rechten Stapel von ganz Cypern nannte. Als der ItalienerCasola die Gegend bereiste, im Jahre 1494, wurden hier400 Personen beschäftigt.
Alle Verhältnisse wuchsen sich dann in den amerika-nischen Kolonien ins gigantische aus, wo nach derkurzen Episode der roten die schwarze Sklaverei die Lagebeherrschte.
Einer der besten Theoretiker der Sklavenwirtschaft,Cairnes, hat die Gründe dargelegt, weshalb zu allen ZeitenNegersklaverei und großbetriebliche Gestaltung der Produktionzusammengehört haben, die wir denn auch ganz überein-stimmend in den englisch-westindischen Kolonien, in Kuba , inBrasilien wie in den nordamerikanischen Südstaaten finden: