Der Luxus und die Industrie
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3. Die gemischten Gewerbe
Überall, sehen wir, herrscht in clen LuxusgewerbenKapitalismus und oft auch Großbetrieb, die sich in den vonuns betrachteten Fällen neben dem alten Handwerk ent-wickelt hatten. Wie sehr nun aber Luxusindustrien undKapitalismus zusammengehören, welche eminente Bedeutungalso die Entfaltung des Luxusbedarfs für die Entwicklung desKapitalismus gehabt hat, werden wir erst ganz zu ermessenvermögen, wenn wir nun diejenigen Luxusindustrien vorunserem geistigen Auge vorüberziehen lassen, die sich imRahmen alter Handwerke, aus alten Handwerken durchDifferenzierung herausgebildet haben. Da nehmen wir näm-lich wahr — und das ist die wirtschaftsgeschichtlieh wichtigsteErkenntnis, die wir hierbei zu gewinnen vermögen —, daßdiejenigen Teile eines Handwerks, die dem Kapitalismus an-heimfallen, immer Tätigkeiten umfassen, die für den Luxus-bedarf produzieren. Die meisten Handwerke machen, mitanderen Worten, schon während der frühkapitalistischen Epocheeinen Differenzierungsprozeß durch: die künstlerische, quali-fizierte Arbeit scheidet sich von der gewöhnlichen grobenHandwerksarbeit ab und verselbständigt sich in eigenen Ge-werben; diese nehmen damit einen kapitalistischen Charakteran, während die Grobarbeit lange Zeit dem Handwerker ver-bleibt, bis auch sie (aber erst in unseren Tagen) die Um-wandlung in die kapitalistische Organisation erlebt. Hand-werk und Luxusgewerbe werden ein sich aus-schließender Gegensatz auch im Bewußtsein der Zeit-genossen, wie es eine schöne und charakteristische Stelle beiMercier deutlich erkennen läßt 222 :
„Les artisans paroissent les individus les plus heureux. Tirantparti de leur industrie et de leur dexterite, ils se tiennent ä leur place,ce qui est aussi sage qu’infiniment rare. Sans ambition comme sansvanite, ils ne travaillent que pour leur entretien et leurs di-vertissementsf!), ils sont honnetes et civils envers tout le monde,