Der Luxus und die Industrie
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haben die ausgezeichneten Untersuchungen Alfred Dörensaußer Zweifel gestellt 228 . Schon das erste Zunftstatut derCalimala vom Jahre 1300 zeigt den hausindustriellen Betriebfest eingewurzelt.
Aber ganz gewiß war sie auch eine Luxusindustrie imstrengen Sinne. Die Geschichte der Calimalazunft (die, wieman weiß, ein Yeredlungsgewerbebetrieb war) liegt im dunkeln.Sicher ist nur dieses: daß erst dann der Florentiner Handel zuvoller Blüte gelangte, als es geglückt war, durch Anwendungeiner Reihe von Veredlungsprozessen (Färbung und Appretur)das rauhere nordische Fabrikat so zu verbessern und zu ver-feinern, daß es den verwöhntesten Ansprüchen des steigendenLuxus im Orient und Okzident zu genügen imstande war.Man kannte die Ansprüche und Bedürfnisse der moham-medanischen Welt; man hatte die überaus feinen Tücher ausdem Sultanat Algarva selbst eingeführt: so mochte man all-mählich in die Geheimnisse jener technisch überlegenen Luxus-fabrikation eindringen, mochte es lernen, einem rauhen Tuche,wie es die nordischen Länder erzeugten, den feinen Schmelz,die leuchtenden Farben zu verleihen, die von jetzt an dasFlorentiner Fabrikat vor allen anderen auszeichnen 224 . „Piüpanni e piü fini sanno fare in Firenze che in alcuno altroluogo,“ schrieb Mitte des 15. Jahrhunderts Goro Dati .
So hob sich die Florentiner Wollindustrie als Ganzesdurch ihren Qualitätscharakter von denen anderer Länder undStädte ab. Innerhalb der Stadt Florenz selbst scheiden sichebenfalls die Grobtücher von den Feintüchern, denn natürlichliefen unter den Produkten der ganzen Industrie auch minder-wertige Stücke unter. Die Groben und die Feinen waren im14. Jahrhundert auch räumlich getrennt; es ist der Gegen-satz vom Garbo und S. Martino-Viertel. Was mir nun aberbesonders interessant erscheint, ist die Wahrnehmung, daßim Garbo, wo die groben Massenartikel hergestellt wurden,die kleineren, mehr zünftlerisch handwerkerlich interessierten