Druckschrift 
1 (1913) Luxus und Kapitalismus
Entstehung
Seite
188
Einzelbild herunterladen
 

188

Fünftes Kapitel: Die Geburt des Kapitalismus

Meister saßen, während in S. Martino, wo die eigentlicheLuxusindustrie ihren Sitz hatte, die kaufmännisch kapita-listischen Interessenten die Oberhand hatten. Das wenigstenslese ich aus dem Streit heraus, in dem Garbo und S. Martinoimmerfort lagen 225 .

Von der spanischen Wollindustrie wissen wir wenig.Sieblühte im 16. Jahrhundert, sagen die üblichen Berichte.Aber wir vermögen uns doch insoweit von ihrer Verfassungein Bild zu machen, als wir erkennen, daß es 1. eine Luxus-industrie war (soweit sie ebenblühte), und daß sie 2. kapi-talistisch organisiert war (soweit sie eben Luxusgüter er-zeugte).

Guicciardini erzählt nur 226 :Oggi hanno commin-ciato in qualche luogo a attendervi e di giä in qualche partedella Spagna si lavorano panni e drappi da altebassie e doroin fuora come in Valenza, in Toleto, in Sibilia. Und ineinem Bericht, den wir über einen Festzug in Segovia ausdem 16. Jahrhundert besitzen, findet sich die folgende lehr-reiche Stelle 227 :

An zweiter Stelle kamen die Wollindustriellen und die Tuch-fabrikanten, die das Volk mit Unrecht Kaufleute nennt. Sie sind tat-sächlich wie Väter der Familien, die in ihren Häusern und außerhalbderselben eine große Anzahl Volk beschäftigen, viele bis 200, viele bis300 Personen. Durch fremde Hände lassen sie eine Unmenge desfeinsten Tuches hersteilen . . .

In Frankreich entwickelt sich die Feintuchwebereiwährend des 17. Jahrhunderts vornehmlich in und um Rouen ,Sedan, Elboeuf und Reims 228 . Hier aber ist es auch, wo diekapitalistische Organisation schon im 17. und 18. Jahrhundert zuaußergewöhnlich hoher Ausbildung gelangt. Zwar findet sichin der Manufacture de Sedan nur ein mittelgroßer Verleger-typ: von 4 privilegiertenEntrepreneurs de fabrique be-schäftigen 2 je 104, 1 65, 1 50 Webstühle, von 21 nicht-privilegierten 1 über 40, 4 über 80 usw. 229 . Ich denke aberan die Etablissements der Gebrüder van Robais, in denen wir