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1 (1913) Luxus und Kapitalismus
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Der Luxus und die Industrie

Großbetriebe von ganz bedeutender Ausdehnung vor uns haben.Die genaue Statistik, die wir von diesen Betrieben besitzen 2S0 ,gestattet uns bis ins kleinste, ihre Organisation zu erkennen.Wir sehen die Verarbeitung der Wolle bis zum fertigen Fabrikatin 22 Teilprozesse aufgelöst und finden nicht weniger als1692 Arbeiter in einem Etablissement vereinigt. Von diesensind 822 Rad-Spinnerinnen und 200 Weber an 100 Web-stühlen. Luxusindustrie. Daneben gibt es ein ausgedehntesWollweberhandwerk, das gewöhnliche Ware herstellt.

Die berühmteste Wollindustrie im 18. Jahrhundert wardie englische. Auf ihr ruhte, heißt es im Jargon,dieWohlfahrt des Landes:wool is eminently the foundation ofthe English riches (Jos. Child). 1738 waren lVa MillionenMenschen bei der Verarbeitung der Wolle in England be-schäftigt. Die Zahl ist natürlich falsch. Immerhin. Der Wertder ausgeführten Wollwaren betrug 1700 schon 3000000 j£,1815 war er auf 9381426 gestiegen 231 .

Unter diesen Wollstoffen befanden sich natürlich ebensogutgrobe wie feine. Ganz gewiß war die englische Wollindustrienicht als Ganzes eine Luxusindustrie. Namentlich in derspäteren Zeit, insbesondere als Amerika ein starker Kon-sument englischer Wollwaren wurde (von den 9 Millionenim Jahre 1815 gingen über 4 Mill. nach den VereinigtenStaaten), werden die groben Stoffe für den Bürger und dieMasse vielleicht sogar überwogen haben. Aber sie war dochauch eine Luxusindustrie. Und das in ganz hervorragendemMaße. Die feinen englischen Tuche ebenso wie die teurenenglischen Phantasiestoffe waren namentlich während des18. Jahrhunderts in der ganzen Welt von den reichen Leutenbegehrt. Um nur ein Beispiel herauszugreifen: in Nord-deutschland, in Polen und in Rußland trugen die oberenSchichten im 18. Jahrhundert mit Vorliebe englische Woll-stoffe:In all which countries the nobilty, gentry and principalburghers are cloathed with English cloth, druggets, serges,