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1 (1913) Luxus und Kapitalismus
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Der Luxus und die Industrie

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fakturmäßig organisierte Weberei, von der wir im 16. Jahr-hundert bereits hören:

In einem großen, langen Saal

Zweihundert Webstühl an der Zahl!

heißt es in der Beschreibung der Unternehmungen des Jackvon Newbury 284 , und ein derartiger Fall großbetrieblicherGestaltung in jener Zeit steht nicht vereinzelt da, daßdiese großbetrieblich organisierte Wollindustrie offenbar eineLuxusindustrie war: die Fabrikate John Winehcombes, ebenjenes Jack von Newbury, besaßen europäischen Ruf; daß siejedenfalls auch in dem schon kapitalistisch zersetzten West-england lagen: Newbury, Kloster Malmesbury, das ein reicherTücher, namens Stump, gepachtet hatte, um dort Webstiihleaufzustellen, Cirencester, wo eine ansehnliche Walkmühle er-baut wurde, die Abtei von Osney bei Oxford, die derselbeStump pachten will: sie alle liegen im westenglischen Woll-industriegebiete. Ebenso hören wir, daß in Norwich im16. Jahrhundert durch reiche Verleger Webwaren im großenerzeugt werden, die bis dahin aus Italien eingeführt wurden,also hochwertige Luxustoffe waren 236 .

b) Die Leinenindustrie ist mir durchaus problematisch.Daß sie in weitem Umfange, in Schlesien, in Westfalen, inIrland, eine Luxusindustrie war, steht außer Zweifel. Sielieferte ja unserm Beau im London des 18. Jahrhunderts diefeinen Hemden, die Elle zu 10 oder 12 s.; sie lieferte diekostbaren Battiste und Gazen; sie lieferte die prachtvollenTafelgedecke, die wir heute noch in den Museen bewundern.Sie lieferte aber auch in großen Mengen Kleiderstoffe für dieNeger. Und besonders in Irland wurde sehr viel billigesLeinen erzeugt: das Leinen, das der Linnen Board of Irelandim Jahre 1747/48 prämiierte, sollte nicht weniger als 6 d. undnicht mehr als 10 d. das Yard kosten!

Aber wie sich die Güte des Fabrikats und die Wirtschafts-und Betriebsformen zueinander verhalten, vermag ich nicht