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192 Fünftes Kapitel: Die Geburt des Kapitalismus
zu sagen. Daß das Handwerk und die Hausindustrie in dengroßen Exportleinenindustrien am Ende des 18. Jahrhundertsnebeneinander bestanden, wissen wir. Aber wie verteiltensie sich zwischen Luxus- und Massengüter? Die Wichtigkeitdieser Frage verdiente schon eine Doktordissertation.
c) Die Schneiderei. Aus dem Schneiderhandwerkheben sich während des 18. Jahrhunderts einzelne Betriebeheraus und bilden sich in kapitalistische Unternehmungen um:diejenigen, die für die feine, das heißt zahlungsfähige Kund-schaft arbeiten, in denen also Luxusgüter hergestellt werden.
Seltsamerweise ist es in der Herrenschneiderei zunächstKonfektionsschneiderei, die solcherweise auf eine kapitalistischeBasis gestellt wird, was heute längst nicht mehr üblich ist:die Herstellung fertiger Luxuskleider scheint im 18. Jahr-hundert durchaus nicht verpönt gewesen zu sein. Man kanndie Luxuskonfektion für England so gut wie für Frankreich nachweisen. Die eine Stelle, die ihre Existenz im 18. Jahr-hundert erweist, findet sich in der Allgemeinen Schatzkammerder Kauffmannschaft usw. und lautet wie folgt 286 :
„Kleider kommen heutiges Tages und fast mehr als es in Deutsch-land nützlich, in ein öffentliches Comerzium, in dem nicht allein vieledeutsche Herren das Geld für kostbare . . . Kleider etc. nach Frank-reich schicken, sondern auch die Franzosen selbst gantze Kisten undFässer voll auf unsere Messen bringen . .
Die andere Belegstelle ist eine Annonce, die ein Dartiga-longue in der Nummer der „Affiches , annonces et avis divers“vom 4. April 1770 eingerückt hat:
„Le sieur Dartigalongue, maitre et marchand tailleur ä Paris , a etablidepuis quelque tems un magasin d’habits neufs tout faits, detoutes especes, de toutes tailles, et des plus ä la mode. Si ceux demagasins ne sont pas au goüt des personnes, qui veulent etre prompte-ment habillds, il est en etat de les satisfaire presqu’ä l’instant, par laquantitd d’ouvriers qu’il employe. II entreprend toutes leslivrees avec le plus d’economie possible. II fait des envois en provinceet jusque dans les pays etrangers; mais les personnes qui voudront luiecrire sont prie d’affranchir leurs lettres.“