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1 (1913) Luxus und Kapitalismus
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Der Luxus und die Industrie

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Daß es sieh dabei um Kleider für diebessere Kund-schaft handelt, scheint mir der Tenor der Annonce deutlichzu besagen. Auch die Livree der damaligen Zeit gehörtezweifellos zu den teuren Kleidungsstücken.

Wenn nun aber A. Franklin, der diese Annonce aus-gegraben hat, meint 237 , M r Dartigalongue sei derersteKonfektionär, so irrt er, wenn er damit nicht sagen will:der erste mit dem Namen bekannte. Die Tatsache derKleiderkonfektion ist für eine viel frühere Zeit verbürgt;auch die vorhin erwähnte Notiz stammt ja schon aus derZeit vor 1741.

In London finden wir schon im 17. Jahrhundert Schneider, die in den besseren Stadtteilen fertige Kleider feilhalten.Die Sitte muß um die Mitte des Jahrhunderts aufgekommensein, also wahrscheinlich wieder in jener bewegten Zeit, alswir die Seidenwarenhändlerwie einen Stock schwärmenderBienen in der Stadt umherziehen sehen. Denn eine Schriftaus dem Jahre 1681 288 klagt über diese Neuerung:viele er-innerten sich noch der Zeit, da es in London keine fertigenKleider in Läden zu kaufen gab. Die Kundenschneider,accustomed tailor, widersetzen sich den Kleiderhändlern,taylers being salesmen, die teuere Miete in fashionablenQuartieren bezahlen, lange Kredite ihrer aristokratischenKundschaft gewähren (also hielten sie Luxuskleider feil!)und in ihren Werkstätten Dutzende und selbst Gänge (scores= 20 Mann) von Arbeitern beschäftigten.

Aber das Hauptfeld, auf dem sich die kapitalistischeSchneiderei entfalten konnte, war doch (wie heute noch) diefeine Maßarbeit.

Die Beschreibung, die R. Campbell von dem Geschäfteines Maßschneiders in London macht 289 , würde auf jedesheutige Geschäft gleicher Art ohne weiteres auch passen:sehr anspruchsvolle Kundschaft, die meist auf Pump arbeitenläßt, sehr hohe Auslagen für die teueren Stoffe und Zutaten,

Sombart , Luxus und Kapitalismus 13