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1 (1913) Luxus und Kapitalismus
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Der Luxus und die Industrie

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dem Wege zur Manufaktur: er beschäftigt zahlreiche Hand-werker, die aber nochselbständig sind.

Innerhalb des Gerbergewerbes bestehen in Frankreich im Anfang des 18. JahrhundertsManufakturen für folgendeLedersorten, deren Bereitung also dem Kapitalismus anheim-gefallen ist: ungarische Leder, englische Kalbleder, Marokin,Büffel, Gemse 246 .

Dasselbe wird auch für das Berlin des 18. Jahrhundertsberichtet 246 :Die Herstellung feinerer Lederarten, wieSaffian, Korduan, dänisches Leder, wurde von französischenEmigranten um die Mitte des 18. Jahrhunderts in Berlin ein-geführt, zum Teil in der Form von Großbetrieben, diedann mitunter auch die Verarbeitung des Leders (dänischeHandschuhe) mit in ihre Tätigkeit hineinzogen.

e) Hutmacherei.Eine jede Mannsperson, von demRegenten bis auf den Bauer, hat einen Hut nötig. Diesesmacht die Hutmacher zu ganz ohnentbehrlichen Handwerkernvor einen Staat. Da aber die meisten Hutmacher, sonderlichin kleinen Städten, gemeiniglich nur geringe und schlechteHüte vor die untersten Classen der Menschen verfertigen;hohe Standespersonen aber, Staatsbedienten und reiche undwohlhabende Leute, solche Sorten von Hüten vor sich vielzu verächtlich halten, sondern feine Hüte tragen wollen; sowird man selbst einsehen, daß auch feine Hüte im Landeselbst verfertiget werden . . , 247 .

So ist man zur Anlage vonfeinen Hutmanufakturengelangt; zuerst in Frankreich in Paris, Marseille, Lyon, Rouen ,Candebec usw.: einen berühmten Hutmacher lernen wir schonEnde des 17. Jahrhunderts kennen, der in Rouen 19 Gehilfenbeschäftigt und 12 davon mit nach Rotterdam nimmt 248 . Dannaber auch in England , wo z. B. alle Kardinalshüte gemachtwurden (das Stück zu 56 Guineen!). Schließlich auch inDeutschland: in Erlangen wie Berlin. Hier in Berlin trägtdas Hutmachergewerbe bis zum Ende des 18. Jahrhunderts

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