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1 (1913) Luxus und Kapitalismus
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Fünftes Kapitel: Die Geburt des Kapitalismus

ganz allgemein ein durchaus handwerksmäßiges Gepräge, dases bei der Anfertigung minderer Sorten bis zur Mitte des19. Jahrhunderts beibehält. 1782 wird aber eine Hutfabrikbegründet, in der 37 Arbeiter beschäftigt sind, und die für21800 Rtlr.Hüte von vorzüglicher Güte und »Feinheitmacht (während die ganze, aus 133 Köpfen bestehende Hut-macherzunft in demselben Jahre nur für 45 240 Rtlr. Hüteerzeugt) 249 .

f) Baugewerbe. Schon zur Zeit der Renaissancepäpstewird die Herstellung der großen Paläste und Kirchen durch-aus in kapitalistischem Rahmen besorgt. Der Comaske Bel-tramo di Martino aus Yarese beispielsweise, der unter Nicolaus Y.baute, gebot über eine ganze Armee von Arbeitern und besaßgroße Ziegeleien und Kalköfen in Rom; seine jährliche Forde-rung an die päpstliche Kasse betrug etwa 30000 Dukaten.Manchem überbeschäftigten Bauunternehmer war es nichtmehr möglich, sämtliche Bauten, die er zu gleicher Zeit aus-führte, persönlich zu überwachen: er ließ sich dann durchBauführer oder Parlierer (soprastante) vertreten; Filarete be-rechnet in seinem Traktat, daß auf je 85 Mauerleute einsolcher Aufseher kommen müsse 260 .

Kein Wunder also, wenn wir im 17. Jahrhundert heimBau der französischen Königschlösser schon recht kapital-kräftigen Unternehmern begegnen. Die Baurechnungen, aufderen Bedeutung ich schon hinwies, und die ihren Wert erst andieser Stelle für uns ganz offenbaren, gestatten uns, die ein-zelnen an den Bauten beteiligten Gewerbetreibenden zu verfolgenund genau festzustellen, welche Beträge sie für ihre Leistungenin Empfang nehmen. Daraus läßt sich natürlich mit Leichtig-keit ihr Geschäftsumfang, ihre Entwicklung im Laufe mehrererJahre usw. erkennen. Das Bild, das wir auf Grund dieserAngaben von dem Baugewerbe am Ende des 17., Anfang des18. Jahrhunderts in Paris empfangen, ist etwa folgendes:

Maurerei und Zimmerei sind (natürlich immer nur soweit