Einleitung: Das doppelte Gesicht des Krieges 13
alle Kationen 'gegolten: die brutalsten, die rücksichtslosesten, die imKriegshandwerk tüchtigsten haben in dem Kampfe zuletzt den Siegdavon getragen.
Wie der Hergang hei dem Erwerbe kolonialen Besitzes war, dafürliefert die Geschichte der afrikanischen Handelsgesellschaften ein be-sonders gutes, weil außerordentlich durchsichtiges Beispiel:
Zunächst wird Afrika von den Portugiesen besetzt. Daneben fassenauch die Engländer festen Fuß: die Königin Elisabeth privilegiert eineGesellschaft. Die Engländer bauen nun ihr erstes Fort an der Gold-küste, dann am River Gambia, [zur Zeit der Stuarts . 1621 wird dieholländisch-westindische Kompagnie errichtet, mit dem Rechte, allesLand an der afrikanischen West- und amerikanischen Ostküste in Besitzzu nehmen; sowie mit dem alleinigen Recht, daselbst Handel zu treiben.Da die Portugiesen die Plätze, die für die Gesellschaft wichtig waren,schon in Besitz genommen hatten, so waren Zusammenstöße unvermeidlich,und sie traten auch bald genug ein: 1637 erobern die Holländer das ersteportugiesische Fort in Afrika , bald alle andern, die ihnen im Vertragevon 1641 formell zugesprochen wurden. Nun sind aber die Engländernoch im Wege, und die Holländer beanspruchen jetzt das Recht desAlleinhandels auch ihnen gegenüber: sie lassen beständig zwei Kriegs-schifie an der Küste kreuzen, die auf ankommende englische Handels-schule Jagd machen sollen 28 . Es war nun klar geworden:
1. daß englische Privatkaufleute nicht gegen die vereinigte Machtder holländisch-westindischen Gesellschaft auf kommen konnten;
2. daß auf einen Vertrag zwischen den beteiligten Staaten wenigWert zu legen war (Ostindische Erfahrung!);
3. daß es nur ein Mittel gebe, gegen einen solchen Gegner wie dieholländisch-westindische Kompagnie zu bestehen: auch die englischenKaufleute gleicherweise zu einer Gesellschaft zusammen zu schließenund dieser alle Machtbefugnisse und Privilegien zu geben, deren sie be-dürfte.
Das Ergebnis dieser Erwägungen war die Gründung der „Companyof Royal Adventurers of English trading into Africa “ im Jahre 1662.
Nun beginnt ein wohl geordneter Kampf zwischen beiden Gesell-schaften: Die Engländer legen nun auch Forts an, rüsten auch Kriegs-schiffe aus usw. Welcher Aufwand dabei in Frage kam, zeigen folgendeZiffern: für Erbauung und Erhaltung der Forts an der afrikanischenKüste verausgabte die Gesellschaft von 1672—1678 390000 #, von 1678bis 1712 206000 #, von 1712-1729 255000#, zusammen also 851000 #in diesen 57 Jahren! Aber die Engländer wurden nun auch in ihremBesitze nicht mehr gestört. Postlethwayt, der nach guten zeit-genössischen Quellen diesen Bericht gibt, fügt hinzu 29 : „For 250 yearspast, it has been the constant policy of all such European nations ..die fremde Länder entdeckt haben . . to build and maintain forts and