Druckschrift 
2 (1913) Krieg und Kapitalismus
Entstehung
Seite
17
Einzelbild herunterladen
 

I. Die Herausbildung der neuen Organisationsformen

17

wird man darunter diejenigen Krieger verstehen, die unterWaffen sind. Häufig denkt man nur an diese, wenn man vomstehenden Heere in seinen Anfängen spricht, weil damals dieKategorie des beurlaubten Militärs noch nicht existierte.

Ebenso unbestimmt (und unbestimmbar, weil es nurGradunterschiede, keine Wesensunterschiede gibt) ist derBegriff des Berufsheeres. Eindeutig ist er nur, wenn mandarunter Heere versteht, die in ihrem ganzen Bestand ausBerufskriegern bestehen, das heißt aus Leuten, die so langedas Kriegshandwerk treiben, als es ihre Kräfte zulassen (wieheutzutage unsere aktiven Offiziere). Ein Berufsheer istaber anderseits auch ein Volksheer mit mehrjähriger Dienst-zeit im Gegensatz zurMiliz mit ungenügender oder garkeiner Ausbildung.

Für unsere Zwecke ist die scharfe Auseinanderhaltungdieser verschiedenen Typen nicht so wichtig. Es wird genügen,wenn wir die empirischen Gestaltungen, wie sie die europäischeGeschichte aufweist, dann im einzelnen richtig umschreiben.

3. unterscheiden wir die Heere nach der Art und WeisederHeeresaufbringung. Hier scheint mir eine Ein-teilung in die zwei großen Gruppen: Zwangsheere und freieHeere ratsam, um damit auszudrücken, daß der Krieger imersten Falle einem (äußeren) Zwange folgt, wenn er zurFahne geht, daß er auch, wenn er nicht wollte, sich dochstellen müßte (ob er dann gern oder gar mit Begeisterungdem Rufe des Kriegsherrn folgt, ist gleichgültig, diese ge-fühlsmäßige Beziehung ist unabhängig von der hier heraus-gehobenen und betonten rechtlichen Beziehung des einzelnenKriegers zum Heere); während er im anderen Falle aus einemfreien Entschlüsse heraus handelt (also daß er auch nichtsieh dem Heere anschließen brauchte, wenn er nicht wollte).

Die Zwangsheere nehmen sehr verschiedenen Charakteran, je nach dem Ursprung und der Form der Verpflichtung.Der Zwang kann privatrechtlich oder öffentlich-rechtlich be-

Sombart, Krieg und Kapitalismus 2