I. Die Herausbildung der neuen Organisationsformen
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daß das Söldnertum bis tief in das Mittelalter zurückreicht,daß es wohl so alt ist wie das Rittertum, und daß Söldner-heex - e immer neben Ritterheeren bestanden haben.
Söldnerheere treffen wir unter den griechischen Kaisern 30ebenso wie unter den Kalifen seit dem 9. Jahrhundert 31 .Aber auch in den europäischen Staaten begegnen wir ihnenbereits im 10. Jahrhundert: der Mönch Richer erzählt, daß991 der Graf von Anjou gegen den Grafen der Bretagne ge-zogen sei mit einem Heere, bestehend aus Vasallen undSöldnern (conduetitii) 32 .
Frühzeitig entwickelt sich die Söldnerei in England :1014 erhebt Ethelred 21000 Ü? zu Heereszwecken 33 , und seitdem Domesday ist die Ablösung der Gefolgspflicht in Geldund die Anwerbung von Rittern durch den König gang undgäbe 34 .
Im 12. und 13. Jahrhundert wird dann das Söldnertumzu einer überall verbreiteten Einichtung: Söldnerheere warendie Normannenheere, die nach Italien kamen, bald um denGriechen gegen die Sarazenen, bald gegen die Griechen denlangobardischen Herrengesehlechtern oder den Landschaftenzu dienen. Söldner bilden einen großen Teil der TruppenLudwigs des Heiligen, beritten und zu Fuß; die Fußtruppensind wohl die erste Infanterie-Soldtruppe, Kompagnien von100 Mann unter einem Ritter, von denen zwar die Chronikennicht, wohl aber die Rechnungen berichten 85 . Schon im 12. Jahr-hundert war das Söldner wesen so weit ausgebildet, daß esberühmte Söldnerführer gab, nach Art der späteren Con-dottieri 36 .
Alles das sind Beispiele aus der feudalen Welt. Daß inder städtischen Wehrverfassung überall sehr früh dasSöldnerwesen einen organischen Bestandteil bildete, verstehtsich von selbst 37 .
Das Söldnertum als besonderes Kennzeichen des modernenHeeres anzusehen, verbietet sich aber auch aus dem Grunde: