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2 (1913) Krieg und Kapitalismus
Entstehung
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Erstes Kapitel: Die Entstehung der modernen Heere

daß in der empirischen Gestaltung an keiner einzigen Stelledes Umbildungsprozesses gesagt -werden konnte: hier ist derPunkt, wo das Neue auftritt; daß kein einziger Entwicklungs-faktor aufge wiesen werden konnte, dem man die Neu Wirkunghätte zuschreiben können.

Das moderne Heer ist ein stehendes und ist ein Staats-heer. Die beiden schon immer vorhandenen Tendenzen: denFürsten (als Vertreter des Staates) zum alleinigen Befehls-haber zu machen und ihm dauernd die Truppen zur Verfügungzu stellen, wirken also bis zum letzten Ende weiter, bis dieGrundsätze zu allgemeiner Geltung gelangt sind. Dieser Siegder beiden Prinzipien findet seinen äußeren, man wäre ver-sucht, zu sagen: symbolischen Ausdruck, wenn dieser Aus-druck nicht gleichzeitig eine so sehr reale Bedeutung für dieGrundideen des modernen Heeres hätte: in der dauerndenBereithaltung oder Bereitstellung von Geldmitteln zur Be-schaffung und Ausrüstung der stehenden, staatlichen Truppen;von Mitteln, über die der Fürst frei zu verfügen hat, alsodaß er dadurch die zeitliche Dauer wie auch die administrativeDurchdringung des Heeres von seinem Willen abhängig machenkann: in dieser nunmehr geschaffenen materiellen Potenz desFürsten vereinigen sich die beiden wesentlichen Merkmaledes modernen Heeres: daß es stehend und daß es staatlichist, wie von selbst zu einer organischen Einheit. Der Fürstverfügt nunmehr überMittel und Volk, und damit ist dasHeer in seiner neuen Form gewährleistet; damit ist es zudem geworden, was es zu sein bestimmt war: zum Schwertin der Hand des Fürsten , dem es wiederum erst zu seinerEigenart verhilft: da in der politischen Weltein Herr inkeiner Consideration ist, wann er selber nicht Mittel undVolk hat, wie es der Große Kurfürst in seinem politischenTestamente von 1667 ausdrückt.

Hat man die innige Zusammengehörigkeit der dreiMomente: Mittelbeschaßung, Kontinuität und staatliche Ver-