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2 (1913) Krieg und Kapitalismus
Entstehung
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I. Die Herausbildung der neuen Organisationsformen

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waltung und ihre grundlegende Bedeutung für die Heraus-bildung des modernen Heeres erkannt, so ist man allerdingsgeneigt, den Reformen Karls VII. von Frankreich epoche-machenden Charakter zuzusprechen.

Die Vorgänge waren bekanntlich folgende 40 : Karl warvor dem Jahre 1439 auf die spärlichen und unsicheren Be-willigungen der Stände, die ihm noch getreu geblieben, an-gewiesen. Aus dieser finanziellen Unordnung und dem Geld-mangel entsprang die Eigenmacht der Kriegsbanden, welchedas Reich erfüllten.Wie oft haben Kapitäne, die für denKönig fochten, die Befehle seiner Marschälle zurückgewiesen;wie oft haben sie sich hinter den Mauern ihrer Festungen dieschnödesten Gewalttaten erlaubt. Karl versuchte nun zu-nächst dieser Banden Herr zu werden dadurch, daß er sieauf bestimmte Einkünfte in je ihrem Bezirke anwies. ImJahre 1439 schritt er dazu, die Verhältnisse einheitlich unddauernd für das ganze Reich zu ordnen. Es kam zu derOrdonnanz vom 2. November 41 , der der Gedanke zugrunde liegt,daß man die Truppen, die man für den fortdauernden Kriegbedurfte, nicht im Zaume halten könne, wenn man sie nichtregelmäßig besolde und einem einzigen Befehl unterordne.Die Großen des Reiches leisteten Verzicht, ohne Erlaubnisdes Königs Truppen zu halten, und sprachen diesem das aus-schließliche Recht zu, Kapitäne zu ernennen, die dann fürjeden Unfug, der von ihren Kompagnien verübt wurde, nebenihm verantwortlich sein sollten. Sie ließen sich aber auch ver-bieten, Taillen eigenmächtig auf ihre Untertanen zu legenoder die vom Kriege aufgelegten zu erhöhen; dem Königewurde zu dem Zwecke der Truppenbesoldung zugestanden,eine allgemeine Steuer ebensogut von den Untertanen derGroßen wie in den unmittelbaren Gebieten zu erheben. DiesesRecht betrachtete der König als dauernd: aus dem denariusperpetuus ging der miles perpetuus wie von selbst hervor.Auf Grund des Beschlusses der Versammlung von Orleans

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