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2 (1913) Krieg und Kapitalismus
Entstehung
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2(j Erstes Kapitel: Die Entstehung der modernen Heere

konnte der König feste und durchgreifende administrative Ein-richtungen treffen. Ranke nennt diese Reform gewiß mitRechteine der größten Veränderungen. Ihr verdankt diefür ihre Zeit unerhört große und unerhört gute Armee, mitder Karl VIII. in Italien einfiel, ihr verdanken die glänzendenTruppen, mit denen Franz I. seine Schlachten schlug, dochletzten Endes ihre Entstehung.

Was sich in Frankreich schon um die Mitte des 15. Jahr-hunderts abspielte, wiederholte sich in anderen europäischenStaaten erst zwei Jahrhunderte später. In England fällt dieKonsolidierung der Armee doch erst in die Zeit des Common-wealth. Die entscheidenden Maßregeln sind hier wohl 42 derBeschluß des Parlaments (1643): daß Essex Armee dauerndaus 10000 Fußtruppen und 4000 Pferden bestehen solle unddie Ordonnanz vom 15. Februar 1645, mittels deren dasCommittee of Both Kingdomes beauftragt wird (nachdem dieEssexsche Armee 1644 kapituliert hatte),eine neue Armee zuschaffen: The New Model Anny.

Bekanntlich wurde dann später der Bestand einer stehen-den Staatsarmee noch einmal in Frage gestellt, als es dieBill of rights zum Staatsgrundgesetz erhob: daß das Halteneiner stehenden Armee in Friedenszeitengegen das Gesetzsei. Da aber eine Armee doch nicht zu entbehren war, sogab das Parlament seit 1689 die Erlaubnis zur Bildung einesgeworbenen Heeres durch ein jährliches Spezialgesetz unterdem Titel: Bill to punish mutiny and desertion etc. Aufdieser Mutiny Bill ruht seitdem das englische Heerwesen 43 .

Für Deutschland, das heißt für die deutschen Landes-fürsten, ist, möchte mir scheinen, der Artikel 180 des Reichs-tagsabschieds vom 17. Mai 1654 von entscheidender Wichtig-keit geworden. In diesem Artikel war der Grundsatz auf-gestellt, daßjedes Kurfürsten und Stands LandsasseuUnterthanen und Bürger verpflichtet seien,zu Besetz- undErhaltung ... der nöthigen Festungen, Plätze und Garnisonen