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2 (1913) Krieg und Kapitalismus
Entstehung
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Erstes Kapitel: Die Entstehung iler modernen Heere

scheidet sich dadurch ebenfalls scharf von allen mittelalter-lichen Heeren.

Die Besonderheit eines solchen Massenheeres liegt darin,daß es vor allem durch seine Größe, durch die zu einertaktischen Einheit zusammengefaßten vielköpfigen Krieger-haufen wirkt. Wenn tausend Ritter im Kampfe standen, sobildeten sie keine einheitliche Masse, sondern tausend Einzel-krieger fochten nebeneinander: tausend moderne Kavalleristensind zu einem Stoße gleichsam vereinigt, wenn sie eine Attackereiten. In ihnen und durch sie wirkt die überindividuelleEinheit des Massenkörpers, der von einem gemeinsamen Geistebeseelt ist. Diese Gemeinsamkeit des Geistes wird durch dasKommando hergestellt, das von den Führern ausgeht. DieFunktionen der (geistigen) Leitung und der (körperlichen)Aktion sind also getrennt und werden von verschiedenen Per-sonen ausgeübt, während sie früher in einer und derselbenPerson zusammen gefügt waren. Es hat sich jener Differen-zierungsprozeß vollzogen, der für die gesamte moderne Kultur-entwicklung so außerordentlich charakteristisch ist.

Vor allem drängt sich die Analogie der Entwicklung inder Organisation des Wirtschaftslebens auf: vom Handwerkzum Kapitalismus.

Diese Differenzierung der leitenden und aus-führ endenFunktionen zieht dann eine ganze Menge vonErscheinungen nach sich, die das moderne Heerwesen kenn-zeichnen: vor allem das Exerzieren und die Disziplin, durchdie auf mechanischem Wege die Verbindung zwischen leitendenund ausführenden Organen hergestellt werden muß. ImGleich-tritt, den die Griechen und Römer geübt hatten, den dieSchweizer und Schweden wieder übten, den Leopold von Dessau in der preußischen Armee zur Regel machte, begrüßt dasmoderne Heer gleichsam sein Symbol.

Ich glaube, daß man den Einfluß, den hier das moderneHeerwesen auf die gesamte Kultur und in Sonderheit auf das