Druckschrift 
2 (1913) Krieg und Kapitalismus
Entstehung
Seite
29
Einzelbild herunterladen
 

I. Die Herausbildung der neuen Organisationsformen 20

Wirtschaftsleben ausgeübt hat, noch nicht hinreichend gewürdigthat. In dem entscheidenden 17. Jahrhundert vollzieht sichdie Zerbrechung und Zertrümmerung des natürlichen Menschen,der die Renaissancezeit noch beherrscht hat, und der unfähiggewesen wäre, das kapitalistische Wirtschaftssystem zur vollenEntwicklung zu bringen. Der Teilmensch, der Sachmensch,der Pflichtenmensch wird geschaffen. Man hat für die Geburtdieses neuen Menschen die Religion, in Sonderheit den Puri-tanismus verantwortlich gemacht. Hat man aber auch bedacht,in welch engem Zusammenhänge Puritanismus und Militaris-mus miteinander stehen? Man muß sich doch erinnern, daßdermilitärische Geist,the military spirit, durch Cromwellin die moderpen Heere eingeführt worden ist, daß Milton vollermilitärischer Ideen steckt.

Die Ideale beider sind dieselben: die Überwindung deskreatürlichen Menschen, seine Einordnung in ein überragendesGanze. Deshalb sind auch die militärischenTugenden, wiesie im 17. und 18. Jahrhundert gelehrt wurden, größtenteils die-selben, die die Non-Conformisten, die Calvinisten, die Puri-taner vertreten. Zucht ist das Leitmotiv.

In der Schrift von David Faßmann ,Der Ursprung,Ruhm, Exzellenz und Vortrefflichkeit des Krieges- und Sol-datenstandes, sowie dessen 18 nöthige Qualitäten, Berlin, 1717, werden folgende 18 Qualitäten eines tüchtigen Kriegs-mannes aufgezählt:

Gottesfurcht, Klugheit, Herzhaftigkeit, Todesverachtung,Küchternheit, Wachsamkeit, Geduld, Zufriedenheit, Treue,Gehorsam, Respekt, Aufmerksamkeit, Haß gegen schnödeLüste, Ehrbegierde, kein Räsonierer sein, fehlerlose Dienst-leistung, Wissenschaft, gutes Naturell.

Dieselben Tugenden kehren in einem amtlichen ErlasseFriedrich Wilhelms I. wieder, der offenbar von Faßmann in-spiriert worden ist: puritanische, militärische und kapitali-stische Tugenden sind, wie man sieht, größtenteils dieselben.